MAK

Full text: Monatszeitschrift IV (1901/ Heft 10)

Ausstellung der Künstlercolonie in Darmstadt, Speisezirnmerwand im Hause Habich, entworfen von P. Huber 
 
ein anderer als ein anerkannter Fürst des Lebens das Recht auf solch' einen 
Raum hat, und - was das Wichtigste ist - ob nicht eine so hehre und 
getragene Umgebung das Leben erdrücken kann, wie ein allzu prunkvoller 
Rahmen manches gute Bild? Dabei ist der Zweck des Raumes als Stätte der 
Musik durch nichts sinnfällig. Ja, der aufgewendete Reichthum scheint 
gerade als Umgebung für intime Kammermusik keineswegs geeignet. Der 
allzu stolze Prunk der Einrichtung steht nicht im Einklange mit der edlen 
Wirkung, die man von Tonharmonien erwarten darf. Dies ist ein Widerspruch, 
der tief ins Wesen der Behrensschen Kunst hineinreicht: oft und oft mangelt 
der Einklang zwischen dem Interieur und dem Leben, das in ihm vor sich 
gehen soll. 
Ein ähnliches Missverhältnis zeigt das Speisezimmer. Es ist ganz weiss 
gehalten; Tisch und Sessel sind lackirt, die Platten aus lichtem, polirtem 
Mahagoni, die Decke sowie die Beleuchtungskörper sind versilbert. Um 
einen Ton lichter und heller als das Musikzimmer macht auch dieser Raum 
einen ungemein reichen Eindruck, fast ätherisch, gar nicht der trotz aller 
RaHinements und ästhetischer „Sentiments" doch physiologischen und 
brutalen Function des Essens angepasst. 
Man darf nicht glauben, dass die hier aufgezeigten Mängel ihre Ursache 
in einem Talentmangel des Künstlers haben. Gewiss nicht; seine Ziele liegen
	        
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