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MAK

Full text : Monatszeitschrift IV (1901/ Heft 10)

heimischen lnterieurs dieses mathematischen Constructeurs oft gegenübersteht, hier

in diesen Aufgaben der Öffentlichkeit ist er ausgezeichnet. Der Eindruck blitzblanker

Gediegenheit, sachlichen Comforts, ästhetischer Zweckmässigkeit wird vollendet erreicht.

Nicht phantastisch sind diese Nutzräume, das wäre stilles, sie athmen vielmehr raffinirte

Intelligenz.

Ein Warteraum gibt die Einleitung in der bekannten Linienarchitektur aus glattem

Holz. l-Iauptschmuck ist hier ein farbiges Fenster, dessen verbleite Zusammensetzung in

schön gemessenern Rhythmus schwingt.

Von hier geht es in die Damen- und Herrenfrisirräume. Das Markante und Originelle

in ihrer Installation ist echt Van der Velde'sch dadurch, dass vom Zweck ausgegangen

und dieser stark ohne alle Maskerade betont wird. In einem solchen Salon spielt der Apparat

der Röhren, die das Wasser für die Lavoirs und das Gas für die Brennscheren und die

praktisch eingestellten Beleuchtungskörper vermitteln, die erste Rolle. Diese Rohre konnte

man sich bisher nur als Entstellung eines Raumes vorstellen, sie wurden sorgsam in allen

besseren Geschäften cachirt. Das reizte natürlich den spintisirenden Logiker nun gerade,

aus der ästhetischen Noth eine ästhetische Tugend zu machen.

Und es ist ihm thatsächlich geglückt. Er leitet sichtbar die Messingrohre vom Fussboden

 zu den Spiegeltäfelungen auf dem warmleuchtenden Mahagonyholz entlang, er

zweigt sie zu den Becken ab, führt sie zu den Brennscherenkästen und lässt sie in den

schöngeschwungenen Arm auslaufen, der zu Häupten des Spiegels die Lampe trägt. Und

vom Anbeginn bis zu diesem Ausgange pulsirt die gleichzeitig das Holz schmückende

Metallinie von organischem Leben. In ihren Schwingungen und Verästungen ist kein todter

Punkt, „und nach dem Tacte reget, und nach dem Mass beweget sich alles an ihr fort".

Über dem Spiegelpaneel läuft ein grosszügiger Fries an der Wand und klingt in die

Decke aus. Das ist der einzig betonte Schmuck. Sonst kommt das Schmückende durchaus

indirect zum Ausdruck, in der Farbenstimmung aus dunklem Mahagony, grünem Marmor,

blankem Messing; in der ornamentalen Wirkung der gut componirten Kleiderhaken und

Kastengriffe.

Sehr charakteristisch für Van de Veldes Andacht zum scheinbar Unbedeutenden ist

noch, dass sein grübelnder Detailsinn daran gedacht hat, dass die blau zuckenden

Flämmchen der Brennscherenroste so angeordnet werden, dass sie einen ornamentalen

Eindruck geben.

An der Lösung solcher Aufgaben erkennt man, was des Vielbewunderten und Vielgeschmähten

 Eigenart ausmacht. Lauschig und gemüthlich wird er nie sein können, aber

die Probleme technischer Eleganz, subtil-raftinirter Einfachheit liegen ihm ausserordentlich.

Ich wünschte ihm als Auftrag, einen modernen D-Zugswagen oder ein Schiff zu

installiren. Gerade in einem Schiff wäre sein Stil der richtige und nicht die jetzt immer noch

so beliebte HerrenchiemseeaSchlossromantik mit Panneaux, Brocaten und barockstrotzenden

 Vergoldungen. F, P_

WINTERTHUR. ANTON GRAFF-AUSSTELLUNG. Sonntag, den 15.September

ist im Stadthause zuWinterthur die Anton-Grafische Ausstellung eröffnet worden.

Dieselbe enthält in geschmackvoll und künstlerisch arrangirten Räumen über x20 Originalgemälde

 des berühmten Winterthurer Künstlers, sowie einige Dutzend Handzeichnungen,

Radirungen und Pastelle, im ganzen x80 Nummern. Das Bild der Thätigkeit des Meisters

ist ebenso vollständig wie anregend und belehrend. Die meisten Gemälde stammen aus

Winterthurer und Zürcher Besitz, einige Glanznummern stellten die königliche Akademie

der Künste und die königliche Nationalgalerie in Berlin, sowie das königlich sächsische

Kriegsministerium in Dresden bei.
            
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