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MAK

Full text : Monatszeitschrift IV (1901 / Heft 12)

sonst jenseits des Canales gewöhnt ist, ist der Phantasie Freiheit gegeben,

sich zu entfalten. So konnte es kommen, dass manche Form süsser, manche

Farbe weicher und weibischer ist, als man es gewünscht hätte. Aber immerhin:

 diese Interieurs sind eine volle Leistung, was die Einheitlichkeit in der

Decoration eines Raumes betrifft, die harmonische Abstimmung auf einen

einzigen Ton. Die Künstler dieses Hauses richten alle ihre Wünsche auf ein

Ziel: die Farbenstimmung. Die Formen der Geräthe sollen weniger wirken,

als die Farben des Materials, des Holzes, der Stoffe und Metalle. Und fast zu

viel kommt es hier auf die poetische Stimmung an. Die schottischen Architekten

haben ja alle den Hang, Seelenstimmungen zu produciren, man denke an

die Mackintoshschen Asketenzimmer. Der erste Raum, den man betritt, ist

man durch das gute, wenig ornamentirte Portal an ausgezeichneten Metallarbeiten

 vorbei (hier liegt die Stärke des schottischen Kunsthandwerkes) in

den weissen, angenehm mit Holzsparren verzierten Pavillon gegangen, heisst

„The Rossetti-Library". Man sieht, hier ist poetische Stimmung erwünscht.

Es handelt sich nicht um gute Formen, Comfort, graciöse Linienführung,

angenehme Farben, auch nicht um eine rein decorative Schönheit - Litterarische

 Atmosphäre soll erreicht, ein bestimmtes Lebensgefühl erzeugt werden.

An den Wänden hängen Photographien nach Werken Dante Gabriel Rossettis.

Die dumpfe, schwüle, von allerlei vager Sehnsucht erfüllte Stimmung dieses

Malerpoeten soll herrschen. In dem violetten Bücherspind, dessen Verglasung

ein Rosenornament trägt, befinden sich wohl die Werke Swinburnes, der

Familie Rossetti selbst, des Vaters also, des gelehrten Dante-Forschers, der

Schwester Christine, dann sicherlich auch Tennysons - kurz, all diese

Dichtungen femininer Art. Deshalb ist wohl auch (ein unangenehmer Einfall)

das schöne Mahagoni violett gefärbt, der Teppich roth mit violettem Rosenmuster

 gewählt. Die Geräthe sind - man betrachte in der Abbildung den

Einbau vor dem Kamin - ungemein schlank, zierlich. Ihr Schmuck ist

Intarsia in fremdartig gebeiztem Holz oder auch Metall. Ungemein fein sind

die Leuchter aus alterthümlichem Silber. Hat man sich einmal mit der Idee

eines Raumes, der einen zu einer bestimmten, doch nur wenigen und, wollen

sie ehrlich sein, nur in seltenen Stunden zugänglichen Höhenstimmung

zwingt, abgefunden, so wird man die Harmonie des Raumes bewundern

können. Zu sagen wäre allerdings noch, dass die Beziehung auf Rossetti,

will man exact sein, unrichtig ist; denn der Präraffaelitenkreis, Rossetti so

gut wie Ford Madox Brown, der ja zu den ersten Zeichnern der Morris-Company

 gehörte, hatte ganz bestimmte Vorstellungen von Möbelkunst,

und diese weisen auf einfache uncomplicirte Einrichtungen etwas archaisirender

 Natur hin. Sicherlich hätten sie sich mit violett gefärbtem Mahagoniholz

 nicht gefreut.

Die Beize herrscht ja überhaupt in diesen Interieurs. Es ist nicht leicht

ein Stück complicirt und raffinirt genug. Im Drawing-room (grünseidene

Wandverkleidung und weiss lackirte Panele geben hier die Balance zu

violetten Möbeln) sind die zierlichen Tischchen und Schränkchen mit
            
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