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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 2)

au bois dormant" von Perrault, gezeichnet und in Holzschnitt ausgeführt

von Lucien Pissarro. Schon früher (1897) hatte Louis Fairfax Muckley in

seiner Ausgabe von Spensers „Fairie Queene" diese Art der doppelseitigen

Illustration aus den japanischen I-Iolzschnittbüchem übernommen. Und in der

That, wir gewöhnen uns schnell daran und übersehen bald ganz, dass das Bild

in der Mitte unterbrochen ist. Jedenfalls ist diese Art, grössere Bilder in ein

Buch einzufügen, künstlerischer, als wenn man ein Blatt in dem doppelten

Format des Buches hineinsetzt, dessen Mitte entweder beim Binden an der

Bruchstelle in dem inneren Steg verschwindet oder beim Lesen aus dem

Buch heraus aufgeschlagen werden muss. Übrigens kannten ja auch die

alten deutschen Buchdrucker des XV. und XVI. jahrhunderts in ihren

Büchern keine Bilder, die über die Grösse einer Seite hinausgingen. Um

zu Vogelers Buch zurückzukehren, so ist seine Titelzeichnung höchst originell

und von einer wundervollen farbig-decorativen Wirkung; der Künstler ist

hier auch in der Zeichnung kräftiger, als er sonst zu sein pflegt. Der Druck

des dramatischen Gedichtes in Schwarz und Roth mit einer grossen Initiale

am Anfang ist in kräftiger Antiquatype von O. v. Holten zu vornehmer klarer

Wirkung gebracht. Die Namen der sprechenden Personen sind in neuer

origineller Weise durch kleine Füllstücke typographisch hervorgehoben, die

sich doch gut und ruhig in das Satzbild einfügen (Abb. S. 61).

Ausser diesen Werken erschien 189g im „InseP-Verlage ein Gedichtbüchlein

 mit dem Titel „Dir". Hier hat Vogeler seine eigenen Gedichte mit

Zeichnungen geschmückt, auch das Vorsatz- und das Umschlagpapier des

Einbandes selbst entworfen. Aber auch der Text der Lieder ist nicht

mit Lettern gedruckt, sondern von dem Dichterillustrator eigenhändig

geschrieben und zusammen mit den Bildern, die den Text einfassen, in Strichmanier

 geätzt. Das Buch ist also so persönlich und intim, wie nur denkbar,

es muthet einen wie eine Handschrift mit Handzeichnungen an. Dasselbe

kommt auch bei den englischen Buchkünstlern vor: Lucien Pissarro hat für

die Erzählung „The Queen of the Fishes" (London 1894) die Textschrift

eigenhändig geschrieben und die Bilder gezeichnet und in Holz geschnitten.

Ebenso hat Walter Crane in „The Sirens Three" (London X895) die Verse

gedichtet, den Bildschmuck gezeichnet und in die Zeichnungen den Text

selbst hinein geschrieben, um damit gerade diejenigen decorativen Wirkungen

 zu erzielen, die er beabsichtigte. Text und Schrift sind dann

zusammen in Zink geätzt worden. Man kann sich solche geschriebene und

photomechanisch vervielfältigte Bücher wohl gelegentlich gefallen lassen,

wenn künstlerische Eigenart sich auf diese Weise aussprechen will, aber es

sind dann keine typographischen Bücher mehr.

In dem Vogeler'schen Buche ist die linke Seite nur dann bedruckt, wenn

ein Gedicht noch auf die nächste Seite hinübergreift, sonst sind die linken

Seiten leer geblieben. Zwischen den einzelnen Gedichten stehen Blätter mit

kleinen vignettenartigen Zeichnungen. Auch in den Zeichnungen dieses

Buches ist Vogeler im Landschaftlichen zart und innig, im Figürlichen
            
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