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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 2)

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AS neue Wort „Buchkunst" ist gebildet worden, um

einen guten alten Ausdruck, der etwas abgebraucht

 und vielfach missbraucht worden war,

zu ersetzen. Buchkunst bedeutet ja im Grunde

nichts anderes als Buchdruckerkunst, will aber

auf den Begriff „Kunst" im Buchdrucke und in

der gesammten Buchausstattung neuen Nachdruck

 legen, nachdem von der „Kunst" in der

modernen Buchdruckerkunst so lange wenig

oder nichts zu merken war, und Kunst hiebei

nur noch so viel zu bedeuten hatte wie

Technik. Buchkunst ist in der neuzeitlichen Bewegung im Buchgewerbe

das Schlagwort geworden, um den Begriff „künstlerische Buchausstattung"

kurz auszudrücken.

Wir haben es von den alten Buchdruckern des XV. und XVI. Jahrhunderts

 neuerdings wieder gelernt, das Buch als Ganzes aufzufassen. Die

Druckschrift soll an sich künstlerisch sein, die grossen Buchstaben oder

„Versalien" müssen mit den kleinen oder „gemeinen" Buchstaben in Form

und Schnitt übereinstimmen, die Grösse der gedruckten Seite, der „Columne",

muss im rechten Verhältnis stehen zu der Grösse, dem „Cm-ade" der Schrift;

der Satz muss so ausgeglichen sein, dass grössere weisse Lücken vermieden

werden und ein schönes volles Seitenbild entsteht; die Capitelüberschriften,

die Columnentitel und auch die Seitenzahlen, die Anmerkungen und Randbemerkungen,

 alles das muss sich geschmackvoll in das ganze Bild der

Seite einordnen; der Bildschmuck, wie Initialen, Kopf- und Schlussleisten

und Textbilder, soll sowohl in der Schwarzweisswirkung oder in der

Farbenwirkung zu der Druckschrift passen, als auch mit feiner Abwägung

der Gesammtwirkung in den Text eingefügt werden, und schliesslich sollen

Druckfarbe und

Druckpapier, Vorsatzpapier

 und Einband

 im Einklang

miteinander und mit

dem Ganzen stehen

- das sind ungefähr

die Lehren, die uns

bei näherer aufmerksamer

 Betrachtung

die schönen Bücher

der alten Meister

geben. J. V. Cissarz, Buchschmuck aus Helene Vuigl-Diederichs, Unlerstrom





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