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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 2)

„Meermenschen mit Seehund". Auf einer Klippe im weiten Meere ruht die Mutter, den

Säugling mit einem derben Griif ins Weiche festhaltend. Hinter ihr strebt ein mehrjähriges

Töchterchen die Klippe hinan, dem Vater zu, der eben herantritt und einen im Genick

gepackten Seehund bei sich hat. Dieses Gegeneinanderstreben der Massen und Farben,

ihr vollkommen componirtes Gleichgewicht ist, wie Böcklin selbst sagt, das Kennzeichen

und die Idee des echten Kunstwerkes. Mit der Naturwahrheit nimmt es der Meister nicht

buchstäblich genau; so erzählt er selbst (siehe Floerkes Buch), dass ihm als Vorbild für

den Seehund . . . sein Schulranzen aus der Knabenzeit vorgeschwebt habe. In das Wasser

aber, dessen Schaumgebilde hier wieder einmal mit Böcklin'scher Mannigfaltigkeit

gegeben sind, pflege er „so Spielereien", wie sie ihm durch den Kopf gingen, hineinzumalen.

 Und bei alledem, und bei den argen Verzeichnungen (namentlich am grösseren

Kinde) ist das Werk voll Natur. Seine Naturwahrheit ist eben die Wahrheit der Böcklin-Natur.

 Eine strotzende Lebensfülle zeichnet die Körper wie die Landschaft aus. Der

familienhafte Vorgang nimmt der Stimmung nichts von ihrem grossen ozeanischen Wesen.

Allmutter See und ihre vergnügten Kinder, deren Spiele das Weltgetriebe in Gang halten

helfen. Und dabei der echt deutsche Humor, dass diese Elementarwesen zugleich Elementarphilister

 sind. Das Bild ist etwas nachgedunkelt, was ihm aber eher noch einen neuen Reiz

verleiht. ä Die einheimische Malerei hat fleissige Monate hinter sich und bringt manches

Gute. Klimt hat eine Reihe duitiger Landschaften, in denen meist der Sonnenschein auf

der Wiese oder der Himmel im Wasser das eigentliche Motiv bilden. Dazu ein unvollendetes

 Damenbildnis in hauchartigen Grautönen, namentlich des reichgefalbelten Kleides,

und ein Panneau: „Goldiische", wo alles unter Wasser schwebt und Himmert. Moll ergeht

sich an spiegelnden Wassern und einmal sogar in hochstämmigem Nadelwald. Die grüne

Baumschlagstudie Myrbachs ist vortrefflich. Tichy, Sigmund, Nowak, jettmar und

andere haben interessante Naturstudien. Immer aber bleibt Rudolf Alt voran, der noch

vorigen Sommer in Goisern eine grosse Hügel- und Laublandschaft vollendet hat,

sogar mit einer vollen Sonnenscheibe zwischen dem Geäst, das sich im Lichtgeriesel

verklärt. Dieser moderne Zug ist bei dem Neunzigjährigen besonders merkwürdig. Dazu

kommt übrigens eine seiner besten römischen Veduten, das „Pantheorw von 1873, wo

grosse Schattenmassen zu prächtiger Wirkung gebracht sind. Im Genre fällt besonders

eine Reihe Marktscenen von Andri auf, wo die Farben und Formen des Alltags wie Curiositäten

 wirken, die sie ja eigentlich auch sind. Eine Reihe Märchenbilder (Aquarell) von

Liebenwein zeigen viel Fortschritt. Eine Anzahl japanischer Scenen von Orlik weist

reizende Farbenholzschnitte auf, deren Schliche er kürzlich in japan erlernt hat. Aus

München ist vor allem der jüngste Künstlerbund „Scholle" zu nennen. Diese jungen Leute

sind voll Talent und Muth zum Experiment. Man kennt sie übrigens meistens aus der

„Jugend". Da ist Adolf Münzers „Gartenfes ", ein grosses Dämmerungsbild voll schwimmender

 Farben in breiter, weicher Behandlung, an Zuloaga und (natürlich) Velazquez

anklingend. Sein zweites Bild „Ammen" geht dagegen mehr in der Art Rolls, wenn er

viel Publicum darzustellen hat. Fritz Erler bringt das grosse Triptychon: „Die Pest", eine

jugendliche Krahprobe mehr ins Blaue hinein, obgleich die Scenen auf Gelb und Roth

gestellt sind. Desselben Künstlers „Dame am Clavier" ist ein bizarres Weiss-und-Schwarz

mit fünferlei Weiss, das übrigens auch noch durch das Schwarz des Claviers schlägt.

Mit Verve und Eigenart auf Holz hingefegt, wie der Wurf gerade sitzt. Ein grosses

I-Ierbstbild von R. Max Eichler ist ein wahres Panorama von wohligen l-lerbstfarben, in

einer Hügel- und Waldgegend, die sich, näher besehen, als ein grosser, über die Landschaß

hingelagerter Pan in einem mit rothen Äpfeln gemusterten Schlafrock darstellt. Der Ulk ist

annehmbar, da es ihm nicht an malerischen Eigenschaften fehlt. Ausserhalb der Gruppe

stehen Karl Freiherr v. Otterstedt, dessen „weisser Ahorn" eine originelle Naturstilisirung

zeigt, und Victor Frisch mit einem weiblichen Halbact, der mit grosser Flimmerkraft aus

Grünlich und Röthlich zusammengebürstet ist. l-Iiezu wären etwa noch zwei Porträts von

Spira (Breslau) zu nennen (das eine ist Richard Muther), die einem schwärzlichen Ton
            
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