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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 2)

an der Rahmendecoration des in interessanten Linien geführten Bühnenausschnittes

erkennt man solche Vorbilder.

Dazu kommt noch eine sehr betonte japanische Note. Sie zeigt sich in der Vorliebe

für durchbrochenes Holzwerk, für die reizvolle Unsymmetrie der Stäbchengitter, die für

die Logenwandungen verwendet werden und variirt auch bei den Verkleidungen der Heizkörper

 wiederkehren. Ferner in dem freien Linienspiel schmiedeeisernen Bandwerks, das

maureskenartig verschlungen gewellt, als Füllung benützt wird, und wie Schmucksteine

kleine Glühbirnen in seiner Fassung trägt. Üppiger wird der Japanismus im ersten Rang.

Hier sind die Logen und ihre Vorräume mit ihren Wandfüllungen delicater Seidenapplicationen

 und Stickereien, ihren kostbaren Thürflächen aus durchbrochenem Holzlackwerk,

durch das schimmernde Lichter spielen, den tiefen Tönen tupfig bizarrer und doch in sich

ausgeglichener Teppiche, wahre Schmuckkästchen geworden, wie sie kein Theater ähnlich

aufzuweisen hat. Und wieder muss man hier - ganz jenseits aller Debatten, ob nun da

alles einwandfrei getroffen, ob sich nicht über manche Nuance streiten liesse, - rückhaltlos

 anerkennen, dass ein Künstler mit ernstem Bemühen versucht hat, neue eigene

Wege zu gehen und Selbständiges zu sagen. Solchem nachzugehen und zuzuhören ist

aber stets interessant und anregend.

S! k

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Es ist immer fruchtbar, von dem Neuen seine Blicke auf die decorative Kunst der

Vergangenheit zu richten. Jedesmal sieht man wieder mit neuen Augen, mannigfache

Verwandtschaften werden klar, manches Alte versteht man aus der Betrachtung des Neuen

besser, und Für vieles Neue erhält man schärfere Gesichtspunkte aus dem Studium der

organischen Logik des Alten.

Eine sehr instructive Gelegenheit bot die Ausstellung der älteren deutschen Bauernschmucksachen,

 die im Museum für deutsche Volkstrachten stattfand und übersichtlich

landschaftlich eingetheilt war.

Der Ethnograph und der Culturhistoriker, auch der Geschmackspsychologe fand

hier ein reiches Feld. Zu bewundern war an den meisten dieser Stücke die einfache, stolze

Sicherheit der Verwendung kostbaren Materials, ohne im mindesten in Prahlerei zu verfallen,

Die wuchtigen Formen der grossen Kopfschmuckstücke, die in der friesischen Abtheilung

auffallen, sind mit solchem Proportionstakt gebändigt, dass man an die künstlerischen

rusticalen Arbeiten der englischen „Arts and Crafts" denkt. Überhaupt gibt es eine Menge

Anklänge. Ashbee'sche Specialitäten fallen einem vor den Vitrinen Holsteins ein, die

Gürtelschnallen und Miederplatten aus mattgrauem rauhliächigem Silber zeigen mit rothen,

grünen und blauen Steinen illuminirt, auch grosse gebuckelte und gehämmerte Silberknöpfe,

_ deren Grau mit Steinen farbig belebt wird. Auch die in der modernen Juwelierkunst so

beliebte Durchbruchtechnik, die Wirkung unterlegter Metallgespinste hat hier ihre Ahnen.

Und ebenfalls haben sie die modernen Ketten, die ihren Reiz in der fahlen Tönung und der

Besonderheit der Glieder suchen. Jede mondäne Frau hätte sich sicher gern die alte

Schweizer Kette umgethan, deren Glieder sehr zierlich und apart ausgeschnittene ovale

Goldplättchen bildeten. Eine übersichtliche Auswahl gab es ferner in goldenen und silbernen

Bauernringen. Auch sie sind lehrreich darin, wie ihre oft massigen Formen zu ruhiger

Gliederung ausgeglichen werden; wie der schxnälere Reif sich organisch mit starker

Betonung des Klammernden und Haltenden zu dem breiten Mittelstück auswächst und

das Ganze wirklich ein Zeichen vollendet in sich geschlossener Einheit ist.

Solche Anregung konnte eine moderne Schmuckausstellung nicht geben, lehrreich

war aber diese Collection von Arbeiten des Pariser Nau-Yhan auch. Seine bei Schulte

aufgebaute Vitrine zeigte, welch Zerrbild aus Laliques Kunst in den Händen eines

Dilettanten werden kann und welche Geschmackwidrigkeiten auch in Paris möglich sind.

Ein zoologischer Juwelier producirt sich hier, der mit Eulen, Störchen, Fröschen, Adlern,

Schwänen ein rohes naturalistisches Nachbildungsspiel in Silber und Gold treibt, dabei

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