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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 3)

seiner Farm in East-Aurora eine Druckerei angelegt. Seine Frau hat die

Bücher illuminirt. Nach und nach vergrösserte sich das Unternehmen. Hubbards

 kleine, streitbare Zeitschrift „The Philistines" ward daselbst verlegt.

Ausgaben Shakespeardscher Sonette, solcher von Brownings, Tennysons

und Ruskins Werken wurden veranstaltet und I-Iubbards eigene Werke:

„Kleine Reisen" zu berühmten Autoren, Staatsmännern, Musikern u. s. w.

wurden hier gedruckt, gebunden und illuminirt. Fast die ganze Einwohnerschaft

 von East-Aurora und Umgebung wurde schliesslich in die Arbeitergemeinde

 einbezogen, besonders die jungen Mädchen zeigten sich für das

Illuminiren sehr geeignet. Nicht zwei Bücher gleichen sich. Die ganze Vereinigung

 - denn jeder Arbeiter hat Antheil am Gewinn - führt unter

Hubbards Leitung ein künstlerisch erhöhtes Dasein, denn die Wohnstätten,

Versammlungslocale, die ganze Lebensführung ist nach den Principien

einer Durchdringung der Kunst ins Leben geleitet. William Morris ist

Hubbards Ideal. Der Name „Roycrofter" ist nach einem Mann namens

„Roycrof " gewählt, der einst in England schöne Bücher verfertigte. Dem

eigenen Bedürfnisse entsprechend, werden neuerdings auch Möbelschreinereien,

 Steinhauerarbeiten u. s. w. von den Roycroftern ausgeführt.

Elbert Hubbard und seine Roycrofter, die bereits allerlei Nachfolger

finden, thun in doppelter Beziehung ein gutes Werk: nicht nur stellen

sie echt künstlerische Producte her, sondern sie helfen auch gewaltig

zur Schätzung der individuellen Arbeit, auf der ja allein der Fortschritt

 der Kunstgewerbe basiren kann. Der einzelne darf nicht sclavisch

arbeiten, sondern muss den Stempel seines „Ichs" dem Werke aufdrücken

und kann so den Ruhm seiner eigenen Arbeit geniessen. Nur wenn die

Massenproduction nicht das Talent und den Ehrgeiz tödtet, kann sich die

Industrie zur Kunstindustrie, das Handwerk zum Kunsthandwerk erheben.

Es sei hier noch erwähnt, dass die schönsten Illuminationsentwürfe von dem

Roycrofter Sammy Warner herrühren.

Institutionen wie diejenige von Elbert Hubbard und die Bestrebungen

vieler der vorgenannten Künstler und Kunstfirmen führen die nüchternen,

geschäftsmässigen, aber nicht talentlosen Amerikaner, auf dem Boden, wo

die Kunst wieder Eins wird mit dem Leben. Über die ersten, humpelnden

Gehversuche sind wir glücklich hinaus und es ist zu hoffen, dass sich das

amerikanische Kunstgewerbe nun mit stolzeren Schritten seinen europäischen

Geschwistern nahen wird.

AUS DEM WIENER KUNSTLEBEN 50' VON

LUDWIG HEVESI-WIEN 50'

s Ä 7 IENER KÜNSTWANDERUNGEN. Wir standen neulich vor dem Beginne

dieser Rundreise durch die Wiener Kunst; heute ist sie, im ersten Cyclus, nahezu

vollendet. Der Erfolg der zu wohlthätigem Zwecke unternommenen Massenwanderung

hat die Erwartungen übertroffen; es gab Tage, an denen 600-700 Personen mit von der

Partie waren. Die grossen Palaisbesitzer und Kunstförderer selbst ergriffen ganz gern die
            
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