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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 3)

grabungen in dem Raum tonangebend, obgleich auch anderweitige antike Plastik von hohem

Werte vorkommt. Auf die Sammlungen als solche können wir hier nicht eingehen, wir

stellen nur fest, dass sie die grösste Überraschung hervorgerufen haben. Wenige ahnten,

dass der Graf die kostbare Galerie seiner Väter in aller Stille zu einer so vielseitigen Kunstsammlung

 erweitert hat. Sie reicht in der That durch alle Zeiten und Künste, aber auch

durch viele Zonen; gerade die ostasiatischen Schätze des Grafen sind ja, durch die Ausstellung

 im Handelsmuseum, dem Publicum bekannter geworden. Ein anderes, von

historischem Geiste beseeltes Heim ist das Palais Bourgoing in der Mettemichgasse. Baron

Othon de Bourgoing hat sein reizendes I-Iötel von zwei in Wien lebenden französischen

Architekten Piot-Bauquet erbauen lassen. Seine Welt ist Louis XVI. In diesem vornehmsten

 der vornehmen Stile ist das Haus erbaut, dessen weisse Pilasterfacade mit

dem grossen Giebeldreieck über die Rasenflächen des breiten Vorgartens herschaut. Und

dieser Zeit gehören auch die Kunstwerke an, die das Haus enthält, wiewohl einzelnes

etwas älter oder jünger sein mag. Von den Bildern und Miniaturen (letztere besonders

vortrefflich) gehört manches dem Empire an, und Empire ist auch das letzte Gemach der

Reihe, die Bibliothek, deren feine Mahagoni- und Goldharmonie so gut zu ernsten Bücherrücken

 stimmt. Baron Bourgoing bekundet ein ungewöhnliches Geschick im Arrangement

von interessanten Ensembles, wobei er alte Elemente, auch Bruchstücke, stilgemäss zu

vervollständigen, zu ergänzen, zu componiren weiss. So stammen die alten, bemalten

Leinwandtapeten des Speisezimmers aus einem eleganten Restaurant der Louis XVI.-Zeit.

Eine Kaminwand, deren Decoration besonders hübsch combinirt ist, zieht den grössten

Nutzen aus gemalten Putti-Scenen von De Witt, dem „holländischen Boucher". Auch die

echten alten Möbel mit Beauvais- und anderen Tapisserien, die kleinen Bronzen,

Porzellane, das Bibelot überhaupt, sind mit feinstem Geschmack zu einem Ganzen von

besonderem Charakter vereinigt. Dabei ist nicht zu übersehen, dass der Baron alles von

Wiener Kunsthandwerkern machen lässt, wie er denn überzeugt ist, dass diese alles machen

können. In einem Punkte freilich waren sie noch vor wenigen Jahren völlig incompetent.

Der Stil von heute, der Wohnstil par excellence, wie ihn die Engländer-ausgebildet haben,

wollte ihnen eine Zeitlang nicht eingehen. In jene Kampfzeit, die mit dem Siege der

modernen Anschauungen endete, fallt die Einrichtung des Palais Philipp Ritter von

Schoeller (Johannesgasse) durch Henry in London, das heisst, nur der eigentlichen

Wohnräume (Bibliothek, Speisezimmer, mehrere Gastzimmer). Diese einfachen,

gediegenen, bequemen Zimmer sind musterhaft; der Speisesaal etwa, ein echter Jacobean

dining room in panelled wood, allerdings nicht in Eichen, wie zu König Jakobs Zeit,

sondern in Mahagoni. Das ganze Getäfel in Reihen mässig grosser Rahmen mit Füllungen

aufgelöst, Buffet, Sessel (diese besonders) unwidersprechlich. Diese Räume sind sehr

lehrreich, und die Wiener Einrichtungskunst hat ja auch schon starke Schritte in dieser

Richtung gemacht. Im übrigen ist das stattliche Palais (dessen Treppe der jetzige

Besitzer bequemer umbauen liess) nach x85g, als es in den Besitz des Bankiers Stametz-Mayer

 überging, von Paris her in discretem Barock neu ausgestattet worden. Auch diese

Räume mit ihren Stuccaturen und Vergoldungen sind in ihrer Weise vortrefflich. Die

gute Tradition der Fischer-Zeit gibt ihnen einen unverwüstlichen Kern.

KLEINE NACHRICHTEN S0

ULDIGUNGSGESCHENK DER STADT WIEN AN ERZI-IERZOG

RAINER. Aus Anlass der goldenen Hochzeit des Erzherzogs Rainer und der

Erzherzogin Marie hat die Stadt Wien eine Huldigungsgabe überreicht, welche -

abweichend von den üblichen Adressen - in der Form eines Retable, nach dem Entwurfe

des Professors an der Kunstgewerbeschule des k. k. Österreichischen Museums Oskar

Beyer, ausgeführt wurde.
            
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