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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 3)

Die anderen Erwerbungen des Hofmuseums, namentlich jene von den Natur- und

Halbculturvölkem, haben für das Kunstgewerbe kein besonderes Interesse.

Die Acquisitionen der prähistorischen Sammlung bewegten sich im Jahre x90:

fast ausschliesslich auf den Gebieten der älteren und der jüngeren Steinzeit, aus welchen

keinerlei kunstgewerblich bemerkenswerte Gegenstände zu verzeichnen sind.

TIPENDIUM FÜR DEUTSCI-I-BÖI-IMISCHE KÜNSTLER. n" Verein

deutscher Schriftsteller und Künstler in Böhmen „Concordia" schreibt ein Stipendium

im Betrage von 400 K aus, welches zur Förderung künstlerischer Ausbildung für in Böhmen

geborene oder daselbst lebende deutsche Vertreter der bildenden Künste (Baukunst, Bildhauerei,

 Malerei) bestimmt ist. Die Bewerber um dieses Stipendium haben nebst ihren

Gesuchen den Nachweis ihrer selbständigen künstlerischen Thätigkeit den Geburtsschein

und einen Lebensabriss beizubringen, sowie die Art und Weise der Verwendung des

Stipendiums bekannt zu geben und bei eventuellem Genusse desselben nach Verlauf eines

Jahres über seine Verwendung an den Verein Bericht zu erstatten. Die bezüglichen Gesuche

nebst Belegen sind an die „Concordia" in Prag, Deutsches Haus, bis zum x 5. April franco

einzureichen.

VAN DYCKS SKIZZENBUCH. Im Verlag von George Bell 8: Sohn, London, ist

soeben ein Prachtwerk eigener Art erschienen, welches für Kunstfreunde und Kunstforscher

 von geradezu unschätzbarem Werte sein dürfte. Es ist dies ein vornehm ausgestatteter

 Band mit Facsimile-Reproductionen in Lichtdruck aus dem berühmten Van

Dyck'schen Skizzenbuche, welches sich in Chatsworth, dem herrlichen Besitze der Herzoge

von Devonshire befindet. Dieses Skizzenbuch ist eines der wichtigsten Documente moderner

Kunstforschung, da es viel dazu beigetragen hat, in die Verwinung entgegengesetzter

Ansichten über gewisse Werke von Tizian, Giorgione und anderer venezianischer Meister

etwas Licht einzulassen.

Das Chatsworth Skizzenbuch, welches Van Dyck auf seiner italienischen Reise von

1621 bis 1627 begleitete, enthält nämlich keine Original-Compositionen oder Studien nach

der Natur, sondern meisterhafte, rasch hingeworfene Fragmente nach Bildern venezianischer

 und römischer Meister mit Randbemerkungen von der Hand Van Dycks. Da fast auf

jedem Blatte der Name des Originalbildes und des betreHenden Meisters notirt ist, hat das

Buch für den Kunstforscher einen ganz bedeutenden Wert.

Die Geschichte des Skizzenbuches nach dem Tode Van Dycks ist eine höchst

interessante. Es wurde von der nach des Meisters Tode erfolgten Plünderung des Ateliers

von seinem Nachfolger Sir Peter Lely gerettet und von diesem seinem Schüler und

Assistenten Prosper Henricus Lanckrinck vermacht. Von ihm kam es in den Besitz des

grossen Sammlers Hugh I-Ioward und später in den seines Bruders, des Bischofs von

Elphin. Die ganze Sammlung verblieb im Besitze der Familie der Grafen von Wicklow bis

1873, in welchem Jahre sie unter den Hammer kam. Das Van Dyck'sche Skizzenbuch muss

jedoch schon bedeutend früher von der Sammlung getrennt worden sein, da es Anfangs

des XVIII. jahrhunderts bereits im Besitze der Devonshire-Familie war, von wo es auf

mysteriöse Weise verschwand. lm Anfang des XIX. Jahrhunderts tauchte es wieder auf

und ward von dem Kupferstecher S. W. Reynolds im Jahre x83o an Baron Dover verkauft,

der es seinem Sohne Viscount Clifton hinterliess. Der vierte Viscount Clifton verkaufte es

x893 an Herrn C. Fairfax Murray, dieser wieder an Mr. H. F. Cook, welcher es endlich

dem rechtmässigen Eigenthümer, dem Herzog von Devonshire, zurückstellte. Interessant

ist, dass das Skizzenbuch auf all seinen Irrfahrten von einem zweiten Bande begleitet war,

welcher gleichfalls als das Werk des grossen Meisters angesehen wurde, bis vor nicht gar

langer Zeit definitiv festgestellt wurde, dass es einem viel späteren und unbedeutenden

Maler, namens Daniel van den Dyck, zuzuschreiben sei.
            
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