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Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 4)

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Rudolf Hammel, Herrenzimmer. ausgeführt von Sigmund Deutsch 8; Cie., Brünn (Ausstellung in Turin)

Meisterwerkes zog sich noch durch den ganzen Winter fort, und so barg die „Vereinigung"

ihren Beethoven-Tempel hinter Scheinwänden und veranstaltete einstweilen Stegreifausstellungen.

 Klingers Werk wird in der ganzen Kunstwelt längst mit Spannung erwartet,

und dass die Beethovenstadt Wien die erste ist, die es zu sehen bekommt, ist eine frohe

Tatsache in unserem Kunstleben. Das Werk übertrifft auch alle Erwartungen. Klinger

hat damit die polychrome Plastik in eine Sphäre erhoben, der sie sich noch niemals

genähert hatte. Er hat ihre dekorativen Mittel mit so hohem Stil angewandt, dass sie

monumental erscheint. Monumentale Stimmungsplastik, das wird wohl ungefähr das

Wesen des ebenso prächtigen als neuen Werkes ausdrücken. Kostbare farbige Materialien

sind in prachtliebenden Zeiten gern an plastische Aufgaben verschwendet worden. jedes

Barock-Jahrhundert hat einen grossen Aufschwung von Giallo, Verde und Rosso antico,

von Mischungen aus schwarzem, weissem und buntem Marmor mit luxuriösen Bronzemontirungen

 gesehen. Man denke an die vielen kirchlichen Grabmäler mit knienden

Statuen und goldbetroddelten Marmordraperien. Aber immer war hier der Effekt äusserlich.

Ein rotes Marmorkissen konnte ebensogut grün, und ein schwarzer Sarkophag mit

weissen Hütern ebensogut ein weisser Sarkophag mit schwarzen Hütem sein. Man denke

an jene kolossalen sargtragenden Negersklaven in Venedig, durch deren zerrissene

weisse Kleider überall schwarze Knie und Ellbogen gucken. Ebensogut könnten es weisse

Christensklaven in schwarzen Anzügen sein. Bei Klinger geht das dekorative Mittel vollkommen

 im monumentalen Zweck auf. Klinger ist ein leckerhaft gustierender Marmormensch

 wie Michelangelo, nur kein so ausschliesslicher; denn er schätzt auch andere
            
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