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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 4)

ETTBEWERB FÜR KIRCI-ILICHE KUNST. Auch auf dem Gebiete

der kirchlichen Kunst regen sich, seit dem Versuche Otto Wagners, Bestrebungen,

von einer driickend gewordenen Schablone endlich loszukommen. Die liturgischen Gesichtspunkte

 sind, wie sich immer mehr zeigt, mit den praktischen oft ganz gut zu versöhnen.

Bei der jüngsten Preisbewerbung des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht, um

eine „einfache Pfarrkirche" und

um ein Reliquiar zur Aufbewahrung

 eines Craniums, ist dies klar

zutage getreten. Das Kirchenproblem

 wurde sogar in sehr befriedigender

 Weise gelöst, wenn

auch manche Fragen einstweilen

noch offen bleiben. So die Frage

des heiligen Grabes in der Krypta

unter dem I-Iochaltar, deren

Lösung davon abhängt, ob der

Baldachin mit hinunter getragen

werden muss, oder bloss die

Monstranz. Auch für den Kreuzweg

 ist das Richtige noch nicht

gefunden, wenngleich ganz glückliche

 Gedanken auftauchten, zum

Beispiel die Verlegung desselben

nebst dem heiligen Grabe in einen

Vorhof (Dorfmeister), der aber

allerdings am Kostenpunkt schei-Klara

 Aubert, Polster, ausgeführt von Karl Giani jun. tene" Die drei gleichen Preise zu

xooo Kronen fielen den Herren

Leopold Bauer, Wunibald Deininger

 und]. Zasche (Prag) zu. Die Entwürfe sind sehr verschieden, und zwar schon, weil

das Ministerium nicht etwa eine Art Normalkirche erzielen wollte, sondern den Bewerbern

 die Aufgabe stellte, sich Ort und Verhältnisse frei zu wählen. Bauers Kirche für

eine Landstadt, um 400.000 Kronen herstellbar, ist ein einfacher, aber durch hohen Aufbau

und innen durch Anwendung von Beton-Eisenkonstruktion dennoch imponierender

Bau mit einem in drei Stufen abschliessenden Turm. Die Wände ganz in weissem

Rauhputz, innen mit mannshoher Marmorverkleidung gegen das Abfärben, aussen mit

einigen senkrechten Zierstreifen aus schwarzen und rothen Ziegeln. Im Innern fällt es

auf, dass die Hauptbinder der Dachkonstruktion mit gebogenen Trägern tief herabreichen

und somit die Mauern wesentlich entlasten. Die Kreuzwegstationen sind in den Putz eingelassene

 Mosaikbilder, die Apsis mit faltigem Stoff bekleidet, Kanzel und Hochaltar für

jeden sichtbar, die Fenster dem Beleuchtungszweck entsprechend, also weiss, wo ein

Altarbild oder Fresko zu beleuchten ist, das heilige Grab unter dem Eingang angebracht,

nicht naturalistisch, sondern aus schwarzem Granit. Der Deiningefsche Entwurf einer

Dorfkirche im Gebirge nähert sich dem dort schon bestehenden Typus, der sich ja aus

den lokalen Bedingungen entwickelt hat. Material Stein und Holz, das Dach hoch, der

Turm mit hohem, achteckigem Helm, Neues nur in Einzelheiten vorhanden. Der Innenraum

 durch die Monierdecke breitgewölbt, die Taufkapelle im Turm nach aussen stärker

gekennzeichnet, was einen besonderen Zug bildet. Zasche bestimmt seine Kirche für die

rauhe Gegend des Isergebirges, was gewisse Besonderheiten bedingt, so den geschützten

Kreuzweg um das Chor. Im allgemeinen schliesst er sich den alten Landkirchen an, die

so poetisch wirken können. Das Äussere bildet eine recht malerische, unsymmetrische

Gruppe, die sich im weissen Rauhputz mit dem getriebenen Kupferblech der ornamentalen


            
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