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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 5)

 

Evangeliar (Theol. gr. x54)

sich die bildnerische Kunst auch hier, sowohl in der allgemeinen

 Auffassung wie in den Details, in der Architektur,

 in den Trachten als treuer Nachklang der Antike

dar. Der byzantinischen Schule eigentümlich ist der

Gebrauch des Goldes sowie ein glänzender über die Bilder

aufgetragener Firnis, der sich trotz des heute im allgemeinen recht beklagenswerten

 Zustandes der Handschrift noch ganz gut erhalten hat. Den Wert

dieses Denkmals für die Kunde griechischer Schreib- und Malkunst erhöht

der Umstand, dass die Handschrift innerhalb enger Grenzen datierbar ist: den

Schlüssel hiezu liefert das Bild, dessen Reproduktion geboten ist. Im Mittelpunkte

 sitzt auf einem, von zwei Adlern getragenen Thron, umgeben von

den beiden Gestalten der „Megalopsychia" (Grossmut) und der „Phr0nesis"

(Verstand) eine Frau, die als Fürstin charakterisiert wird durch das Diadem,

den goldenen Mantel, die dunkelviolette (purpurne) Tunica, besonders aber

durch eine weibliche Gestalt, die sich vor ihr prosterniert, um den Saum

ihres Gewandes zu küssen: die „Eucharistia technon" (Dankbarkeit, Danksagung

 der Kunst und des Kunsthandwerkes). Man beachte die Komposition

des Bildes in dem achteckigen Rahmen. Bei einiger Aufmerksamkeit entdeckt

 man, dass die acht abgeschrägten Ecken eigens zu dem Zwecke hergestellt

 sind, um ebensoviele Buchstaben eines Namens aufzunehmen:

„]ouliana". Den scharfsinnigen und gelehrten Untersuchungen, die bereits

der Biblothekar Leopolds I., Peter Lambeck, unternahm, verdanken wir die

Identifizierung der Persönlichkeit. Wir haben die Juliana Anicia vor uns, eine

Enkelin Valentinians 111., die im Jahre 505 in Konstantinopel zu Ehren der

Gottesmutter eine prunkvolle Kirche erbaute. Als Beschützerin der Künste und
            
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