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Full text: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 5)

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Evangeliar (Suppl. gr. 5, Bd. x) 
ziehen kann. Die Handschrift stammt aus Italien, dem unerschöpflichen 
Boden klassischer Reliquien, von denen eine dieser Handschrift zum Vor- 
bild gedient haben mochte. 
Aber in dieser Zeit sind im Okzident derartige Wiedergeburten Aus- 
nahmen und beruhen auf keiner fortlaufenden Tradition. Diese zu bewahren 
war die Aufgabe der Byzantiner, die nach der Überflutung des weströmischen 
Reiches durch die barbarischen Völker sich als Erben des Imperiums 
betrachten durften. Wir wissen, wie die Byzantiner auf künstlerischem Gebiete 
ihre grosse Mission erfüllten. Das Rassenblut war nicht mehr in unvermischter 
Kraft vorhanden, der alte Genius degeneriert, die Quelle der Erfindung versiegt, 
konventionelle Starrheit tritt an ihre Stelle. Auch die Buchmalerei bietet hiefür 
beredte Belege. Die Entwicklung, die diese Kleinkunst bei den Byzantiner-n 
nahm, ist von jener der Okzidentalen wesentlich verschieden. Der Vorsprung, 
den die Byzantiner von Haus aus hatten, und den die Bildwerke des Wiener 
Dioskorides deutlich illustrieren, wird - man denke an den Bildersturm - 
verloren. Nach diesen Kämpfen, denen so mancher Illustrator zum Opfer fiel, 
erlebt die byzantinische Kunst im X. Jahrhundert, da die Miniaturmalerei 
des Okzidents ihre erste Hochblüte bereits hinter sich hatte, einen neuen 
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