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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 5)

252

ferner die Ehrung Davidslinks,

 die des Elisaeus

 rechts. Die Bilder

sind rnit der Feder gezeichnet;

 auf den ersten

I0 Seiten der Handschrift

 erscheint zumeist

 dünn aufgetragene,

 manchmal aber

auch ziemlich kräftig

angelegte Kolorierung;

die Lichter werden ausgespart.

 Die schlanke,

auch überschlanke Darstellung

 des Körpers

entspricht dem Schönheitsideale

 der Zeit. Das

Streben nach individualisierender

 Gestaltung

der Köpfe ist von glücklicherem

 Erfolge begleitet.

 In dieser Handschrift

 der Armenbibel

haben wir das Glied

einer Kette vor uns, das

sich an manche Vor-Schriften

 über Musik (cod. 5x) gänger früherer Jahr_

hunderte anschliesst,

dem sich noch eine stattlicheAnzahl ebensolcherGlieder anreihen sollte; man

weiss ja, welche Rolle die Armenbibeln in der Geschichte der Blockbücher

spielen.

Während die kirchliche Kunst sich in der angedeuteten Weise auf reiche

Tradition stützen konnte, war die Profankunst auf frei schaffende Phantasie

angewiesen. Ein Blatt aus einer gräflich Zimmerdschen Handschrift (cod.

2914), Wolframs Parzival enthaltend, mit der Darstellung: „Wie frouwe

herczeloide irren sun parcifalen in einem walde zoch" dient als Beleg dieser

mehr handwerksmässig in grösseren Schreiberwerkstätten geübten Illustrationskunst.

 Auch abgesehen von gewissen Einzelheiten, zum Beispiel den

übergrossen Köpfen und starren Kugelaugen, zeugt die Auffassung der ganzen

Szenerie von unverkennbarer Naivität.

Neben dem eben erwähnten und ähnlichen Manuskripten aus dem letzten

Jahrhundert des Mittelalters besitzt aber die Hofbibliothek auch aus den

zentraleuropäischen Schreibschulen Bilderhandschriften, die zu dem

Köstlichsten gehören, was die Miniaturmalerei überhaupt aufzuweisen hat.
            
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