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Full text: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 5)

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von dem Wiener Hofmaler 
Johannes Sachs, vollendet 
wurde. So stellt sich diese 
Handschrift als ein Denk- 
mal der Wiener Buch- 
malerei, wie sie sich um 
die Wende des XIV. und 
XV. Jahrhunderts entwik- 
kelt hatte, dar, und zwar 
als eines der wichtigsten 
und charakteristischesten, 
die auf uns gekommen sind. 
Die Formensprache steht 
auf der nämlichen Höhe, 
wie bei dem Evangeliar 
des Johannes von Trop- 
pau. Die Ornamentik, die 
sich vor die Aufgabe ge- 
stellt sieht, den ganzen 
von den zwei Textkolurn- 
nen freien Raum zu 
schmücken, zeugt von rei- 
cher Phantasie: ihr dient 
Blatt- und Blumenwerk, 
üppiges Geranke, Darstel- 
lung exotischer Tiere 
u.s.w.Dief1guraleDarstel-  ,_ .  
lung in Initialfüllungen und Am„,bn,.1(cod_ „W 
Medaillons zeichnet sich 
durch feine Individualisierung, gute Modellierung und sorgfältige Beobachtung 
der Verhältnisse aus. Die sauber gezeichneten architektonischen Hinter- 
gründe verraten gutes Raumempfinden. Auf dem reproduzierten Blatte 
verdient besonders die untere Leiste Beachtung. Im mittleren Medaillon 
sieht man die Darstellung des Messopfers, in den beiden Seitenmedaillons 
Herzog Albrecht und seine Gemahlin, die der heiligen Handlung beiwohnen. 
Dass die gute Tradition in Innerösterreich nicht erlischt, dafür zeugt ein in 
den Sechziger-Jahren hergestelltes Elementarbuch, das wahrscheinlich von 
dem Wiener Bürger und Dominikaner Stefan Heyner dem Prinzen (späteren 
Kaiser) Maximilian I. geschenkt wurde (cod. 2368!). Das in die Initiale P ein- 
gefügte Bild zeigt den Prinzen beim Studium. Den Text (Alphabet und Anfang 
des Vaterunsers) umrahmt zierliches stilisiertes Geranke im Renaissance- 
Geschmack, und es liegt nahe, von diesem Randschmuck, den der Prinz so 
oft vor Augen hatte, eine Brücke zu schlagen zu jenem, mit dem Meister 
Dürer und seine Genossen das berühmte Gebetbuch Maximilians illustrierten.
	        
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