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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 5)

Unbewusst schlummerte in der

Seele des kaum dem Kindesalter

entwachsenenjünglings ein Kunstempfinden,

 das nur umso mächtigerhervorbrechen

 sollte, je länger

es ohne Nahrung geblieben war.

Als eines Tages in seinem Heimatsorte

 eine neue Christusstatue

zur Ausführung gelangte, entschied

 sich sein Beruf. Ein mächtiger

 Wunsch, auch einmal Ähnliches

 machen zu können, verdrängte

 alle anderen Neigungen

des wie vor eine Offenbarung gestellten

 jugendlichen Talentes. Auf

vielfaches Drängen kam der Junge

zunächst zu einem Steinmetz in

die Lehre und besuchte gleichzeitig

 die schlesische Landesfachg

 schule für Marmorindustrie in

Hans Schwabe, Ponräthüste Saubsdorf. Die gewerbliche Richtung,

 in der sich dieser Studiengang

 bewegte, konnte aber seinem Kunstdrange nicht genügen, und so kam

er nach wenigen Jahren auf den Rat eines Schuldirektors nach Wien an

die Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums. Vielleicht wäre ein

rein akademischer Unterricht für Schwathes Begabung vorzuziehen

gewesen, indes hatte der junge Kunstgewerbeschüler das Glück, einen

Mann zum Lehrer zu erhalten, der ebenfalls der hohen Kunst näher stand

als den Kleinkünsten, den leider zu früh verstorbenen Professor August

Kühne. Dieser fein empfindende, gemütstiefe Künstler, der in seinem innersten

 Wesen modern und Secessionist war, lange bevor diese Begriffe

gewöhnliche Schlagworte geworden waren, erschloss dem strebsamen Schüler

eine neue Welt, die er willig in sich aufnahm, so dass man gar bald den

Einfluss erkennt, den Kühne auf seinen Entwicklungsgang nimmt. Kühnes

Phantasie bewegte sich nicht im Decorativen. Nicht so sehr die geschmeidige,

 einwandfreie, klassisch schöne Linie, als vielmehr die ausdrucksvolle

war es, für die der Meister das lebhafteste Empfinden besass. Eine Grundstimmung

 anzuschlagen, sie im Ausdruck des Kopfes klar mitzuteilen und

in einem gefälligen, aber durchaus aus dem Motiv selbst geschöpften Rhythmus

 über den Körper hin ausklingen zu lassen, das war seine Stärke. Dabei

ist ein elegischer Zug fast allen seinen Schöpfungen eigen. Sie haben etwas

Sanftes ohne Süsslichkeit; eine stumme Klage schwebt auf den feinen Lippen,

ein unbefriedigtes Sehnen spricht aus den beseelten Augen. Man hört den

Künstler selbst aus seinen Werken, den einsamen unberühmten Mann, der


            
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