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Full text: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 6 und 7)

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Fleiss undSchönheitderAus- 
führung, Reichtum der Aus- 
stattung und Fülle abwechs- 
lungsvollster Erfindung 
können auf diesem Gebiete 
mit unserem Wiener Exem- 
plare wohl nur die berühm- 
ten, zum Teil in der Pariser 
Nationalbibliothek aufbe- 
wahrten Livres d'heures des 
Herzogs Jean deBerry rivali- 
sierenfk Charakteristisch für 
die Illustrationsweise derZeit 
ist das ständige Neben- 
einander kirchlicher, nicht 
ohne Empfindung vorge- 
tragener Sujets, mit humori- 
stisch-weltlichen, manchmal 
einer gewissenDerbheitnicht 
entbehrenden Darstellungen. 
Die Beschreibung, dieDelisle 
von dem Randschmuck des 
unter demNamen„Lesbelles 
grandes heures du duc de 
Berry" bekannten Manu- 
skriptes, Ms. latin 91g der 
Nationalbibliothek, gibt (a. a. 
__ .. O. S. 396): „T0utes les 
Gebelbuch (cod. 1855) marges sont couvertes de 
vignettes, de fleurs, de 
papillons, dioiseaux, de quadrupedes, d'anges, de demons, et de figures 
grotesques que Yimagination des artistes a varies a Finfini" gilt vollinhaltlich 
auch für unsere Wiener Handschrift. Über den herrlichen Kalender, aus dem 
2 Blätter, Januar und September, hier reproduziert sind, urteilt Waagen: „Er 
ist in dem künstlerischen Schmuck der reichste, welcher mir jemals vor- 
gekommen ist." Tatsächlich stehen wir vor Proben einer sehr hohen Ent- 
wicklungsstufe bildnerischer Kalenderdarstellung, deren Anfänge auf das 
Altertum zurückgehen. Das etwa dem II. Jahrhundert v. Chr. angehörige 
Relief an der Kirche Panagia Gorgopiko, der älteste bekannte Bilderkalender, 
weist bereits zwei charakteristische Momente auf: die Tierkreiszeichen als 
Ausdruck für den Zusammenhang der Zeitrechnung mit den ewigen Gesetzen 
des Sternenhimmels, und eine Reihe von Festdarstellungen, Versinnbild- 
 
" Über diese vergleiche man den Aufsatz von Leopold Delisle: "Les livres (Pheures du duc de Berry", 
Gazette des Beaux-Arts x8B4, 97 H1, 281 ff.
	        
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