Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 6 und 7)

335

Fortuna auf dem Rade

schwebend, das ja unzähligemal

 in mittelalterlichen Darstellungen,

 so zum Beispiel

auch in den Renard-Romanen

 (Bibl. Nat. Fds. fr. 372,

Fol. 60) der Versinnbildlichung

 des Schicksalwechsels

 dient. Originell ist der

hier veranschaulichte Gedanke,

 den Zaum der Fortuna

 um das Szepter der Fürstin

 zu winden, die, um den

Eindruck zu vervollständigen,

 in reichem fürstlichen

Ornat unter einem Baldachin

 auf einem Thronsessel

sitzend vorgeführt wird (vgl.

Waagen II, 91).

Die Illustrationen zum

Changement de Fortune

stammen zweifellos aus der s

französischen Schule und

müssen, so wirksam sie

auch sein mögen, als sehr

kühner Versuch bezeichnet

werden, mit jenen herrlichen

Erzeugnissen der Miniaturmalerei zu rivalisieren, welche die kunstliebende

 Erzherzogin Margareta von Österreich in den Sammlungen und

Büchereien der von ihr verwalteten Niederlande entzücken mussten.



Gebetbucb (cod. 1858)

e? äk

H:

Um dieselbe Zeit, da die französische Miniaturmalerei sich zu selbstän-_

 digem Schwunge erhebt - in der zweiten Hälfte des XIII. Jahrhunderts -

beginnt auch die niederländische Buchillustration jenes selbständige Gepräge

anzunehmen, das sie von den übrigen europäischen Malschulen unterscheidet,

ein Gepräge, das ihr bald weitreichenden Einfluss verschaffte und auch in

der heimischen Tafelmalerei deutliche Spuren zurückliess. Man hat das

charakteristische Merkmal der vlämischen Miniaturmalerei in das eine

Wort „Realismus" zusammengefasst; dieser äussert sich einerseits durch

Individualisierung beim Figürlichen, durchWahrheit in Ausdruck und Haltung,

anderseits durch frische, lebendige, satte Farbengebung und grossen Reichtum

 der Palette. Die manchmal derb-realistische, manchmal von köstlichem

Humor durchwehte Darstellung auf den Kleinbildern leitet denn zu den

44'
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.