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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 6 und 7)

die Würde und Kraft der Männerköpfe in feiner, vielfach gezeichneter

Malerei unleugbar."

Das Bild, das den heiligen Christophorus zeigt, wie er eben im Begriff

ist, das Jesuskind vom Boden aufzunehmen, ist, was „Gesamtbehandlung,

Farbenstimmung und das Helldunkel des hereinbrechenden Abends" anbelangt,

 vielleicht das beste Bild des Codex. Gerade dieses Helldunkel bei

später Abend- oder frühester Morgenbeleuchtung, oder in dunklen Kellern

und Gefängnisräumen wiederzugeben, macht einen der Hauptvorzüge

unseres Miniaturisten aus, welcher hiernach den berühmtesten französischen

 Meistern dieses Faches würdig an die Seite zu stellen ist. Auch die feine

Beobachtung der Wasserspiegelung vor des Christophorus Körper und

Mantel und sogar des kleinen Lichtes in der Laterne des Mönches auf dem

jenseitigen Ufer ist ebenso bemerkenswert als die Zeichnung der Hauptfigur

 und der Fischer, welche das Netz mühsam durch die Wellen ziehen."

In der Umrahmung der gegenüberstehenden Textseite ein Weinstock mit

Trauben auf goldenem Grunde. Das nächste, hier reproduzierte Bild führt

den heiligen Martin vor, wie er, zu Pferde sitzend, seinen Mantel mit dem

Schwerte in zwei Teile teilt, um die eine Hälfte einem halbnackten Krüppel

zu schenken. Man beachte, wie der Meister den legendarischen Vorgang

rnit einer voll aus dem Leben gegriffenen Szene verbindet." Unweit der

Kirche sitzt eine Frau, mit einem Wickelkind auf dem Arme, die ein Mädchen

neben sich sitzen hat und auf weissem, vor ihr ausgebreiteten Linnen kleine

Waren feilhält. F riedhofmauer, Bäume und Büsche auf dem Kirchhof selbst

bilden den mit feiner Empfindung ausgearbeiteten Hintergrund. Ganz köstlich

ist die auf der untern Leiste dargestellte Parodie: zwei Affen, im Turnierkampf

 begriffen, wobei ein dritter als Schiedsrichter assistiert.

Eines der besten und edelsten Bilder der ganzen an Illustrationen

wahrlich nicht armen Handschrift ist das der heiligen Elisabeth; sie erscheint

im Nonnenkleide, trägt die Krone in der Rechten (nicht auf dem Haupte, wie

Chmelarz angibt) und spendet mit der Linken einem Krüppel Almosen. Die

hierin liegende Symbolik, welche „Krone" und „milde Gabe" in eine

Parallele setzt, ist sinnfällig. Man hat den Eindruck, als ob sich der Realismus

an die Heilige nicht herangewagt hätte, da der Akt des Gebens durch die

Fingerhaltung überaus zart angedeutet, das Goldstück erst bei genauer

Betrachtung bemerkbar wird. Desto realistischer ist der Kopf des Krüppels

geraten, und wir sehen sofort, dass er die Gabe erst erwarte - sonst wäre

sein Blick nicht mehr auf die Spenderin, sondern auf das Almosenschüsselchen

gerichtet. Die Randleiste zeigt hier keine figürliche Darstellung, sondern die

auf den Textblättern gewöhnlich erscheinenden Randornamente, unter denen

die Blumen die Hauptrolle spielen. Ob hierdurch der Illustrator an die

bekannte Legende von der Verwandlung der milden Gaben, welche die

f Chmelarz, a. a. O. S. 436. Im Breviarium Grimani (Taf. 80) stimmen die Hauprgestalten fast völlig

überein. Statt der prächtigen Nebenszene gewahren wir aber dort nur ziemlich einfaches Randornament.

"" Sie fehlt auf dem korrespondierenden Bilde des Breviarium Grimani (Taf. x03).
            
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