diese Ausstellung in dem an sich schon eine Sehenswürdigkeit ersten Ranges bildenden
Städtchen Genuss und Anregung in reichster Fülle. Der Zulauf von Besuchern war
denn auch bisher, dem Vernehmen nach, ein ganz ungewöhnlicher, und die Nähe der
eleganten Seebäder, wie Ostende und Blankenberghe, von denen man in einer Stunde
Brügge erreichen kann, mag nicht wenig dazu beigetragen haben, täglich ein vor-
nehmes und vielfach auch wirklich verständnisvolles Publikum dort zu versammeln.
Speziell die Ausstellungs-Abteilung für Gemälde, in Lokalitäten des Provinzialgouveme-
ments, allerdings in einigen Räumen mit minder gutem Licht, aber sehr übersichtlich
aufgestellt, gibt Gelegenheit, die Entwicklung der niederländischen Malerei vom Beginn
bis zum Ausgang des XV. Jahrhunderts an einer Reihe von grösstenteils hervorragenden
Beispielen zu studieren.
Die Ausstellung umfasst über 400 Nummern. Von öffentlichen Sammlungen sind
hauptsächlich jene Belgiens und der Niederlande vertreten; das Gros des Ausstellungs-
Materials bildet der Kunstbesitz aus Brügge selbst, vor allem die einzigartigen Memlings
aus dem St. Johannesspital und die Bilder des Kommunalmuseums, dann eine bedeu-
tende Zahl von Gemälden aus Privatbesitz, darunter viele sonst schwer oder nicht
zugängliche Werke. Für die Gewinnung dieser Nummern, die allerdings, wie begreihich,
nicht durchwegs Werke ersten Ranges sein konnten, muss man der Ausstellungs-
leitung Bleichwohl besonderen Dank wissen.
Die Beteiligung aus Österreich ist quantitativ nicht gross, ihrer Bedeutung nach
aber nicht gering anzuschlagen. Es sendeten ein: Graf I-Iarrach 7 Bilder, Dr. v. Jurie
ein Bild, Fürst Liechtenstein 5, H. O. Miethke 2, M. E. Novak in Prag 5 Stücke und Graf
Wilczek 1 Bild. Auch verzeichnet der Katalog einen Peter Brueghel aus dem Besitz von
M. Rott in Wien. Unter den Harrachschen Bildern erregt das bekannte Konzert vom
„Meister der weiblichen Halbhguren" in seiner Zusammenstellung mit einer Reihe ver-
wandter Gemälde besonderes Interesse, da hierdurch die Schlüsse, welche Professor
Wickhoff in seiner Abhandlung über diesen _ nunmehr auf den Namen jean Clouet
getauften - Meister im jahrbuch der kunsthistorischen Sammlungen des Allerhöchsten
Kaiserhausesl" jüngst gezogen hat, eine weitere Bestätigung erfahren. Zu bester Geltung
kommt auch das Harrach'sche Triptychon von Gerard David in der Reihe der in
Brügge ausgestellten Arbeiten dieses grossen Meisters.
Das interessante Bild aus dem Besitz des Dr. v. Jurie _ eine Kreuzabnahme
von unbekanntem Meister - figuriert unter einer grösseren Zahl eng verwandter, aller-
dings meist gleichfalls noch unbestimmter Bilder; es steht zu hoffen, dass die kritische
Vergleichung dieser Gemälde zu konkreteren Anhaltspunkten für ihre Zuweisung an
einen bestimmten Maler führe. Aus Liechtensteidschem Besitz zählen das herrliche
Triptychon von Hugo van der Goes und die Kreuzigung von Patenir zu den Perlen der
Ausstellung; auch der Memling aus der Liechtenstein-Galerie (Madonna mit St.
Anton und einem Stifter) kann sich neben den übrigen Mernlings der Ausstellung
blicken lassen, was viel sagen will, nachdem die Memling'schen Bilder aus Brügge
selbst, vor allem der herrliche Ursula-Schrein, unstreitig zu den besten und wohl-
erhaltensten Werken des Meisters gehören.
Das von Miethke beigestellte interessante Triptychon von Jakob von Amsterdam
kommt gleichfalls zu guter Geltung. Bilder von bester Qualität sind jene des bekannten
Sammlers M. E. Novak in Prag; besonders fallen ein prachtvoller Quentin Metsys (Kreuz-
abnahme) und ein St. Christoph von Hendrik Bles auf.
Das Bild, welches Graf Wilczek darlieh, ein St. Lukas, die heilige Jungfrau mit dem
Christuskind malend, ist auf den Meister nicht bestimmt. Es kann wohl in die Nähe des
Gerard David gerückt werden. Zu letzterem Künstlernamen sei übrigens angemerkt, dass
auf der Ausstellung zu Brügge ein dem Sir Frederic Cook in Richmond gehöriger Altar-
r Band xxn. um 5.