MAK

Full text: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 8 und 9)

Ausstellung in Turin, Zimmer von Rich. Kimbel. Berlin 
eingewurzelte Neigung zu den Stilprinzipien der Renaissance und insbe- 
sondere des Barock. Das bezeugt schon die auffällige Tatsache, dass beispiels- 
weise kein einziges Möbel der ganzen italienischen Sektion sich etwa an die 
guten konstruktiven alten Bauernmöbel anlehnt, denen man in Piemont und 
der Lombardei vielfach begegnet, oder an die hübschen Spätempire- und 
Biedermeiermöbel, die man namentlich in alten Landhäusern häufig antrifft; 
überall sonst hätte man derartige naheliegende Anknüpfungspunkte für eine 
moderne Formgebung freudig aufgegriffen: im italienischen Geschmacksleben 
aber ist die Empfänglichkeit für die Reize solcher einfacher, klarer, zweck- 
mässiger Formen durch die Neo-Renaissance und das Neo-Barock der letzten 
Jahrzehnte mit Stumpf und Stil ausgerottet worden. 
Nationalpolitische Ideen, die sich in Italien mehr als anderswo mit dem 
ganzen Geistesleben verweben, mögen da mitgespielt haben: das Spätempire 
und der Biedermeierstil erinnerten an traurige Seiten der Vaterländischen 
Geschichte, Renaissance und Barock an die glanzvollste Epoche der Nation. 
Die Tatsache aber, dass diese beiden Stile daher im eminentesten Masse 
national genannt werden dürfen, berechtigt keineswegs dazu, sie zur Basis 
der Moderne zu machen. Denn das nationale Moment kann im modernen 
Kunsthandwerk nur von sekundärer Bedeutung sein; die kunstgewerbliche
	        
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