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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 8 und 9)

gewerbliche Schöpfungen, die uns über Jahr und Tag genau ebenso stark impressionieren,

 wie bei erstmaliger Begegnung. Neben Lalique ist es Theodore

Riviere, der mit entzückenden polychromen Marmorstatuetten und einer

brillanten Bronzegruppe, Salambö, die Aufmerksamkeit auf sich zieht. Auch

Rodin hat eine Statue geschickt, Henri Riviere hat seine schönen Lithographien

 ausgestellt. Von Plumet und Selmersheim rührt ein Speisezimmermobiliar

 her; Majorelle hat unter anderm einen in der Gesamtform einigermassen

 missratenen, aber prachtvoll intarsiierten Schrank, Charpentier einen

Musikinstrumentenkasten aus ungarischem Eschenholz mit vorzüglichen

Bronzen ausgestellt. Die Emails von Feuillätre, die Zinnarbeiten von Brateau

und manches andere kennt man von Paris her. Ein neues Genre bringt Daum

in Nancy: Vasen, deren Dekor zwischen zwei Schichten Glases gemalt ist

- eine wunderschöne Modernisierung der alten Zwischenglasmalerei.

Die Exposition der Meier-Graefdschen „Maison Moderne" enthält unter

anderm hübsche Arbeiten von Landry; „L'Art Nouveau Bing" stellt neben

Resten der Ausstattung seines Pavillons vom Jahre 1900 sehr feine Porzellane

aus, ein Zweig, den das Haus in Verbindung mit einer Limusiner Fabrik

erst seit kurzem betreibt. Die überaus delikaten Dessins stammen von de

Feure, Colonna und andern und sind durchgehends in Unterglasurrnalerei

in den zartesten Farbtönen ausgeführt.

Gute, billige Möbel führt ein noch nicht lange etabliertes Haus, Bec 8:

Diots „Interieur Moderne" in Paris, hübsche, wenn auch etwas stark marktwarenmässige

 Samtdrucke C. Fridrich in Nancy vor. Aber was ist all dies

gegen den ungeheueren Reichtum kunsthandwerklicher Produktion, den

Frankreich hätte entfalten können, zur Erhaltung seines Prestiges und aus

Gründen kommerzieller Natur hätte entfalten sollen . . .

Viel bedeutender als Frankreich, ist Belgien vertreten. Die Gesamtinstallation

 ist unaufdringlich und von wahrhafter Noblesse; im Gegensatz zu

den üblichen Kokos- oder Linoleumbelägen ist der gesamte Fussboden der

belgischen Sektion mit Plüschteppichen bespannt - eine Verschönerung,

deren ästhetischer Wert die allerdings bedeutenden Kosten weit übertrifft. Den

ersten Raum, eine Art Empfangshalle, zu der man über eine zweiarmige

Treppe herabsteigt, hat Viktor Horta mit verschiedentlichen Möbelgruppen

ausgestattet. Man hat von ihm schon Besseres gesehen; immerhin ist auch

das hier Gebotene sehr beachtenswert, namentlich wirkt die Farbenstimmung

- rostbrauner Teppich, hellgelbe Möbel und resedafarbene Seidenvorhänge

- überaus frisch und festlich. Zwei einfache gediegene Interieurs von

Georges Hobe schliessen sich an den Horta'schen Raum an; insbesondere das

eine dieser beiden Zimmer, ein Speisezimmer aus Eichenholz mit Kupferbeschlägemkann

 in seinen ungesuchten praktischen Formen und der hübschen

einheitlich-ruhigen Gesamtwirkung als klassisches Beispiel gut bürgerlicher

Interieurkunst gelten.

Im anstossenden Raum der Genter Kollektivität fallen die messingbeschlagenen

 Mahagonimöbel O.van der Voordes auf; mit kleinenAnlehnungen
            
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