Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 8 und 9)

459



Roman de Troie (cod. 2571)

als die Annahme, dass Simone die Handschrift für Petrarca, den glühenden

Verehrer Vergils, mit jenem Bilde schmückte.

Die beiden erwähnten Werke der Miniierkunst stammen, wie man sieht,

aus der altflorentinischen und aus der senensischen Schule, eben jenen

Schulen, welchen das Frührot jenes sonnigen Tages leuchtete, der den

nationalen Schöpfungen auf diesem Gebiete beschieden war.

Günstige Fata haben es gefügt, dass in die Wiener Hofbibliothek ein

aus jener Frühzeit italienischer Renaissance stammendes, sehr beachtenswertes

 Gebetbuch (cod. 1921) gelangte, das, wie Alois Riegl nachwies,"

sowohlvon einem senensischenMeister, wie auch vonVertretern der giottesken

Richtung illustriert wurde und gleichzeitig als Beleg dafür gelten kann, dass

der Einfluss Simone di Martinos und Giottos, die beide in Neapel arbeiteten

und Nachahmer fanden, dort auch auf dem Gebiete der Miniaturmalerei fortwirkte.

 Riegls Forschungen haben nämlich ergeben, dass unsere Handschrift

im Auftrage eines Mitglieds des Hauses Anjou - wahrscheinlich Johanna I.

- in Neapel, etwa in den Jahren x33o bis 1350 hergestellt wurde. Den

Senenser Meister erkennen wir an dem seiner Schule eigenen Kolorit in den

Fleischpartien (grünliche Untermalung mit aufgesetzten und gut vertriebenen

roten und weissenTönen), sowie an der reichlichen Anwendung vonschwarzen

Konturen, die sich nicht nur in den Figurenumrissen, sondern auch bei

den Gewändern, selbst bei Modellierung der Gesichter bemerkbar machen

- eine Technik, die auch in Frankreich bis zur Mitte des XIV. Jahrhunderts

üblich war. Die giottesken Maler setzen an Stelle jener Konturen sorgsame

Abtönung der Farben, auch „die Köpfe werden lediglich durch mehr oder

minder starke Röte des Fleischtons modelliert" (Riegl).

"Ein angiovinisches Gebetbuch inderWienerI-lofbibliothek, Mitteilungen des Instituts für österreichische

Geschichtsforschung, VIII, 43x H.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.