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MAK

Full text : Monatszeitschrift V (1902 / Heft 10)

gehört ein gewisser Mut, fast möchte ich sagen,

eine gewisse Rücksichtslosigkeit dazu, sich auf

diesem Boden frei zu bewegen; man fürchtet

immer, über die Ränder zu stolpern und in den

Voluten hängen zu bleiben, ganz zu schweigen

von den unpassend angebrachten Lebewesen

unter den Füssen.

Ähnlich ging es dann bei den späteren

klassizistischen Teppichen. Übrigens scheint die

Verwendung von Bodenbelägen keine sehr ausgedehnte

 gewesen zu sein. Wir sehen auf älteren

Abbildungen von Empire-Räumen wohl bisweilen

den ganzen Boden mit Teppichen, dann mit grosser

architektonischer Rahmengliederung und naturalistischen

 Blumen bedeckt - meist aber bleibt der

Boden frei. Und man muss sagen, dass zu der

streng architektonischen Haltung des ganzen

Raumes ein einfach parkettierter Boden am besten

Ausmmng „,Düsse1do,f_ Dreh passt; in der Barockzeit hatte man auch reich eineckige

 Emailvase. von Adele gelegte Holzböden, wie in den Eckräumen des

v" Siarbwie" Wiener Belvederes, die einen Teppichbelag natürlich

 von vorneherein ausschliessen.

In der Empirezeit und den darauffolgendenJahrzehnten scheint übrigens

besonders die Straminstickerei für Teppiche Anwendung gefunden zu haben.

Auf die architektonischen klassizistischen Teppiche folgen dann gegen

die Mitte des Jahrhunderts die ganz naturalistischen Arbeiten, die vielfach

bereits sammtartig auf dem Maschinwebstuhle ausgeführt werden. Eine

gewisse Haltung haben noch die grossen französischen Maschinteppiche

mit riesigen naturalistischen Blumengewinden, besonders aus Rosen, die

man noch vielfach in älteren Staatsräumen, z. B. bis vor kurzem im Wiener

österreichischen Finanzministerium sehen konnte; natürlich waren Teppiche

 immer der Bestandteil einer Einrichtung, der am raschesten abgenützt

wurde. Schrecklich waren aber die kleineren Vorleger, die mit Landschaften,

 Jagden, historischen Szenen im krassesten Naturalismus und

schreiendster Farbe bedeckt waren. Überreste dieser Art kann man ja noch

heute in den Vorstadtläden aller Städte Europas verfolgen.

Ich wage nicht zu behaupten, dass ich hiemit auch nur die Hauptphasen

der europäischen Teppich-Erzeugung erschöpfend gekennzeichnet habe; eine

Geschichte des europäischen Teppiches (nämlich des Bodenteppiches) ist

noch nicht geschrieben. Und man begreift, dass niemand besondere Lust

dazu empfand; denn diese Geschichte ist keine sehr rühmliche.

Man begreift darum aber auch, dass in Europa seit Jahrhunderten die

orientalischen Teppiche Verbreitung fanden; denn man konnte sich dem

Eindrucke ihrer künstlerischen Überlegenheit nicht entziehen. Wir finden


            
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