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Full text: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 11 und 12)

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Dass man mit 
jenen Bemühungen 
die antiken Vorbilder 
nicht im entferntesten 
erreichte, war freilich 
vielen von Anno da- 
zumal schon klar.Ver- 
gebens hatte Goethe 
r7g8 das ganze Ge- 
wicht seines Ruhmes 
dafür in die Wag- 
schale geworfen durch 
die Gründung der 
Propyläen, deren Titel 
„uns zur Erinnerung 
stehe, dass wir uns 
so wenig als mög- 
lich vom klassischen 
Boden entfernen" 
sollen. Schon ein Iahr 
später entbrennt sein 
Mitarbeiter Schiller 
über die kühle Auf- 
nahme des gemein- 
samenUnternehmens 
in hellen Zorn, „denn 
einen so niederträch- 
tigen Begriff hat mir 
noch nichts von dem 
deutschen Publikum 
gegeben" H als der 
Mangel an Klassizität, müsste man hinzusetzen. Goethes Ruf: „Jeder sei auf 
seine Art ein Grieche, aber er sei's!" war wirkungslos verhallt. Mochten sich 
auch die Maler wie Füger, Bildhauer wie Canova und Zauner, Architekten 
wie Nobile noch so sehr bemühen - in das Volksemplinden drangen ihre 
Werke nicht. Ja, F iigers eigener Freund Collin, der Schriftsteller, spricht das 
hochtrabende Verdammungsurteil: „Die Barbaren durften den Griechen 
danken, wenn sie von ihnen griechisch, das heisst rein menschlich dargestellt 
wurden; aber die Griechen würden sehr dadurch empört worden sein, wenn 
sie sich in moderner Verzerrung, mit allen den lächerlichen entweder un- 
bedeutenden oder Schwäche und Verderbnis verratenden Anhängseln der 
Konkurrenz dargestellt erblickt hätten." 
Und trotzdem? - ja gerade deshalb, weil jene Künstler nicht die Antike, 
sondern vielmehr Eigenes zu Tage förderten, erheben ihre Arbeiten gewissen 
Häuschen im Garten des Dr. Fürst in Heiligensxadt
	        

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