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Full text: Monatszeitschrift V (1902 / Heft 11 und 12)

gezeigten Arbeiten durch voll- 
endeteSchönheitundOriginalität 
auffallen, sondern gerade weil 
Bristol keineswegs ein Zentrum 
für Kunst oder Kunstindustrie ist 
und deshalb ein besseres Bild 
des allgemeinen Geschmackes 
bietet, als zum Beispiel Glasgow 
oder Birmingham. 
Bristol ist ein bedeutender 
Seehafen und eine wichtige 
Fabrikstadt, das Zentrum der 
T abak- und Schokoladenmanu- 
faktur. Die Stadt ist zwar schön 
gelegen, jedoch fast das ganze 
Jahr hindurch in Rauch und 
Nebel gehüllt. Die Bevölkerung 
ist im grossen Ganzen wohl- 
habend, aber so sehr mit 
Handel, Industrie, Schiffahrt 
und sonstigem Gelderwerb be- 
schäftigt, dass sie sehr wenig 
Musse zum Kunststudium und 
Kunstgenuss lindet. Bristol ist 
Ausstellung in Bristol, Bucheinband von Miss K. Adams eine der wenigen bedeutenden 
Städte Englands, welche nicht 
einmal ein Kunstmuseum oder eine permanente Ausstellung besitzen. Diese 
Tatsachen sind beachtenswert, weil sie zeigen, wie verhältnismässig schlecht 
der Boden für das Gedeihen von Kunst, wie vielsagend daher der pekuniäre 
Erfolg der Arts 8c Crafts-Ausstellung ist, welche während der zehn Tage 
ihrer Dauer mehr Eintrittsgeld einnimmt und wo drei oder viermal so viel 
Werke Absatz finden als in der dem Publikum viel länger zugänglichen, 
jährlichen Gemäldeausstellung. 
Der Katalog der Bristol 8: Clifton Arts 8: Crafts Society weist nicht 
weniger als 1564 Nummern auf, welche sich auf 79 Abteilungen verteilen. 
Eine kurze Übersicht der Ausstellerliste zeigt, wie sehr die ganze 
Bevölkerung von der Kunstbewegung durchdrungen ist. Da findet man 
neben den Namen der einzelnen Künstler und Dilettanten eine ganze Anzahl 
von lokalen Guilden kleiner Provinzstädte, Kunst- und I-Iandwerksschulen, 
Wohltätigkeits-Institutionen, wie die Guild of Poor Things (die man nicht 
besser als mit „Vereinigung armer Teufel" übersetzen kann),Taubstummen- 
und Blindeninstitute, Versorgungshäuser, Abendklassen und Weberei- 
Vereinigungen. Dass die Arbeiten solcher Institutionen nicht immer auf 
einem hohen Kunstniveau stehen, ist wohl begreiflich, und es ist in vielen
	        

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