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MAK

Full text : Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 4)

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DIE AUSSTELLUNG VON BUQHEINBAN DEN

UND VORSATZPAPIEREN IM OSTERREICHI-SCHEN

 MUSEUM äßVON LUDWIG HEVESI-WIEN

 St!

AS Interesse am Bucheinband ist in den letzten Jahren

überraschend gestiegen. Und zwar erstreckt es

sich gleichmässig auf den Einband der Vergangenheit

 und den der Zukunft, was natürlich

den der Gegenwart nur umsomehr als einen

Übergangsband, den richtigen „Interimsband",

erscheinen lässt. Die ganze Bewegung der Luft

deutet auf Umschwung. Paris und Nancy haben

die Grenzen der buchbinderischen Ästhetik ins

Unbegrenzte hinausgerückt. Der impressionistische

 Einband der Gruppe Viktor Prouve,

der „mystische Einband" Belvilles, die Lederplastik Saint-Andres erregen

die Sinnlichkeit des Bücherfreundes. Der Liebhaberband erlebt phantastische

 Romane. Und andrerseits mehren sich die Symptome, dass der leinene

Interimsband im Begriffe steht, sich in einen Definitivband, ja Bibliotheksband

 zu verwandeln, indem er sich von bescheidener Handwerklichkeit zu

künstlerischem Reiz und Wert emporringt. Das voxjährige Preisausschreiben

der Buchbinderei-Aktiengesellschaft (vormals Gustav Fritzsche) zu Leipzig

wies nicht weniger als 1622 Entwürfe, von 437 Urhebern, grossenteils von

Künstlerhand auf. Und auf der vorjährigen Ausstellung von Bucheinbänden

im Musee Galliera trat auch die so vernachlässigte Kartonnage durch Georges

Auriol, den Virtuosen der unleserlichen Monogramme, in ein neues künstlerisches

 Stadium. Seine ausführende Hand, Baron, wurde sofort als ein „relieur

de Pavenir" bezeichnet. Da ist es denn nur noch ein Schritt bis zur zeitgemässen

 Wiederbelebung des so verachteten Urväter-Pappbandes, den jeder

einsichtige Bücherkäufer schmerzlich entbehrt, was er aber meistens nicht

einzugestehen wagt. So sehen wir auf der einen Seite den Feinschmeckerband,

 namentlich durch die Franzosen mit jeder Art von modernem Luxus

fortentwickelt, und andrerseits den Einband weithin demokratisiert, mit

gutem Geschmack für die Massen verbilligt und zugleich veredelt, so recht

nach dem Sinne des grossen Sozialästhetikers Morris, dessen Traktätlein

schon den modernen Pappband haben, und seines nicht minder sozialistisch

 geeichten Nachfolgers Cobden Sanderson. Auf diesem entscheidenden

Punkte, wo zwei Heerstrassen sich trennen oder vielmehr zusammentreffen,

stehen wir heute. Es ist ein interessanter Zeitpunkt. Das Jahr 1902 war das

wichtigste Buchbinderjahr innerhalb Menschengedenkens und es trifft sich

bedeutsam genug, dass am 8. Oktober desselben die ehrwürdige Bodleian

Library in Oxford ihren goojährigen Jubeltag feierte. Diese kluge, erleuchtete



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