MAK

Full text: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 4)

Diebstahl einer 
Leinwand von 
solchen 
Dimensionen 
in einer der 
belebtesten 
Strassen von 
London aus- 
geführt wurde, 
ist bis heute 
unerklärlich, 
und die merk- 
würdigen Um- 
stände haben 
Zweifler zu 
der absurden 
Theorie ge- 
führt, dass der 
Eigentümer 
selbst das Bild 
versteckt habe, 
um durch die 
sensationelle 
Raub- 
geschichteden 
Wert des Ge- 
mäldes zu er- 
höhen. Nach- 
dem es Jahre 
lang Vef" Anker Kyster, Kopenhagen, blauer Safüan 
schollen ge- 
blieben, erhielt 
der Kunsthändler einen Brief aus Amerika, angeblich von dem Diebe, und 
nach langen Unterhandlungen und gegen Bezahlung einer beträchtlichen 
Summe fand der gestohlene Gainsborough seinen Weg zurück nach Bond 
Street. Das dadurch erregte Aufsehen war enorm, umsomehr als sofort 
ein wahrer Krieg der Kritik um dieses Bild ausbrach. Mehrere Kunstkenner 
äusserten in mehr oder weniger verblümter Weise, dass das Porträt gar nicht 
von Gainsborough sei, oder zum mindesten nicht jenes Bild, welches in zeit- 
genössischen Werken als sein Meisterwerk beschrieben ist. Es lässt sich 
kaum begreifen, worauf derartige Angriffe basiert sind, da diese Duchess of 
Devonshire durchwegs das Gepräge von Gainsboroughs raffinierter Eleganz 
und genialer Pinselführung trägt und zu den vollendetsten Werken englischer 
Porträtkunst zählt.
	        
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