MAK

Full text: Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 6 und 7)

 
Fauteuil, Mahagoni, poliert, mit Bronze- 
beschlägen 
 
Fauteuil, Mahagoni, poliert, mit Bronze- 
beschlägen 
Nichtsdestoweniger hat sich in einzelnen Ländern im Renaissance-Interieur 
noch sehr stark der Einfluss der gotischen Art der Wohnungseinrichtung 
geltend gemacht, besonders in England, wo ja der gotische Stil sich in 
einzelnen Formen Jahrhunderte lang erhalten hat und der eigentliche 
englische Nationalstil war. 
Wenn sich nun der Wohnhausbau den Prinzipien der Palastarchitektur 
unterordnete, so musste er auch das wichtigste Prinzip, das der Symmetrie, 
akzeptieren. Mit dieser Frage hat sich Alois Riegl in seinem Aufsatze 
„Möbelinnendekoration" im Wiener Kongresswerke eingehend beschäftigt 
und dargetan, wie nun die ganze Kunst durch alle Jahrhunderte seit der 
Renaissancezeit bestrebt ist, immer mehr und mehr das Gesetz der Symmetrie 
zu erfüllen, bis es endlich im Empirestile vollständig zum Durchbruche 
kommt und auf allen Linien als Sieger über sein Gegenprinzip, ein Wohn- 
haus, von rein praktischen Grundsätzen geleitet, zu bauen und auszustatten 
und die Gebrauchsgegenstände von rein utilitarischem Standpunkte aus zu 
bilden und zu schmücken, triumphiert. 
Dass der Empirestil seine Vorbilder in der Antike gesucht und gefunden 
habe, ist eine Anschauung, die wohl nur mit einer gewissen Beschränkung 
gelten kann. Wir haben schon oben gesagt, dass die Form und Innen- 
ausstattung eines antiken Hauses gerade ein Beispiel des gegenteiligen 
Prinzipes einer Raumgestaltung ist, dass das antike Haus seine Form dem 
praktischen Bedürfnisse verdankt, während das Wohnhaus der Empirezeit 
alle seine praktischen Ansprüche bei Seite schiebt, um dem rein ästhetischen
	        

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