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MAK

Full text : Monatszeitschrift VI (1903 / Heft 10)

diskreten und taktvollen Verwendung edler Materialien gesucht, sondern indiskret im

äusseren nebensächlichen Ausputz. Das Dekorative wird ins Theatralische fatal übertrieben;

 die Wände werden wie

Kulissen behandelt; in einem Musikzimmer

 (von Schaudt) voll düsterdumpfen

 Gruftpompes sind sie mineralisch

 getönt und ein Maskenfries

zieht sich darüber wie eine Kette

gespenstischer Gesichte. In einem

Esszimmer mit übertrieben und

absichtlich biedermeierlich stilisierten

 gelben Möbeln hat man die

Wände gesprenkelt, und wieder triHt

man hier den Maskenfries, nur dass

die geduldigen Larven diesmal gemalte

 Kerzen, gleich Geweihen, auf

den Köpfen tragen. Gemalte Kerzen

- ist das der Erfolg der Ehrlichkeitsbestrebungen

 in der Ausstattung!

Der Weg zu den künstlich gemalten

Fenstern, zur Panoramentechnik, zu

den falschen Perspektiven, die Ausblicke

 auf Gartenlandschaften und

Weinlauben vortäuschen, ist von

solchem Bauen Scheinwesen nicht

weit entfernt.

Oft wird man an die Mittel

der Ausstattungsstücke erinnert.

Ein Ausstattungsmittel von sehr

schlechtem Geschmack ists, wenn

in dem KimbePschen Schlafzimmer

den Betten als Rückdekoration ein

Applikationsvorhang gegeben wird,

der im Genre der Maskengarderobe

sich mit Wolken und Sternen von

Goldflittern als Königin der Nacht

kostümien. Eine dekorative Banalität ist das. Deplaciert scheint auch das schwülstige

Pathos in einem sonst ziemlich bürgerlichen Schlafzimmer, in dem die Kopfwand des

Doppelbettes als Rahmen für ein grosses allegorisches Bild dienen muss.

Man findet überhaupt viel verkehrt angewendete Schmuckmotive. Ein Esszimmer

will die hübsche, in der Wedgwood-Periode beliebte Sitte, keramische Intarsien in das

Holz der Möbel einzulegen, wieder erneuern. Doch der Reiz der alten Mahagonistücke

mit den mattblauen Medaillons kommt nicht heraus. Die Kacheln in dem hellen Holz sind

zu schwerfallig, ihre Farben und die Zeichnung wirken etwas stumpf. Sie belasten mehr,

als dass sie schmücken.

Auch ein anderer Intarsierungsversuch mit Perlmutter verfehlt seine Wirkung.

Japanischen Charme erstrebte man, aber die Schmetterlinge und Blütenzweige schwingen

in der Holziiäche nicht mit selbstverständlicher Grazie. Sie sind nicht hingestreut, nicht

hingeweht mit jener Illusionskunst, die guten echten Lackarbeiten eigen ist. Sie haben

etwas Pedantisches, Ängstlich-Angeordnetes. Und ähnlich schlechten Japonismus stellt

die gestickte Decke mit grellviolettem Grunde dar, die auf einem Toilettentisch unter Glas

zur Schau gestellt wird.

Luster, Wiener Arbeit, Bronze und Bergkrystall, zuletzt Hofburg

Wien
            
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