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Full text: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 1)

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mit niedergesenkten Getreide- 
ähren dekoriert, die rechts und 
links eines aus Trauben und 
Weinblättem gebildeten Tür- 
stockes die Kurven bilden und 
mit stilisierten, der vegetabi- 
lischen Welt entnommenen 
Beschlägen verziert sind. Aber 
zu den merkwürdigsten Ge- 
bilden seiner Phantasie ge- 
hören das Bett des Salons von 
1896, und ein Kindersessel, 
letzterer für Mme Menard- 
Dorian ausgeführt, also für die 
Enkelkinder Victor Hugos. 
Das Bett ist ein wahres 
Gedicht. Die beiden Stirnseiten, 
die hintere hoch aufragend und 
in ein abgerundetes Himmel- 
dach endigend, sind durch 
zwei nach der Bewegung einer 
wiegenden Wasserwelle ge- 
krümmte Seitenteile verbun- 
den; an den Ecken aber er- 
heben sich vier Figuren: das 
Gebet, der Schlaf, das Nach- 
denken und die Stille. Kaum 
angedeutete Basreliefs zeigen 
tigurale Darstellungen der Lebensalter: ein Kind, in leidenschaftlicher 
Liebe von seiner Mutter getragen, ein Jüngling, der vor einer strahlenden 
Verkörperung der Jugend in die Knie gesunken ist, ein junger Mann, der 
lesend neben einer Frau sitzt, ein reifer Mann in seiner Vollkraft und 
eine alte, über ihren Stab gebeugte Frau. Es sind gleichsam in rasch 
zerfliessendem Traum heraufbeschworene Bilder alles dessen, was dieses 
Bett bergen wird: 
J. Dampl, Eichenschrank mit Schubladen 
C'est 1a que l'homme nait, se repose et s'unit, 
Enfant, epoux, vieillard, aieule, femme ou vierge. 
(J. M. de Heredia) 
Oben, an der Basis des Himmels, befinden sich zwölf mit langen 
Schleiern coiftierte Frauenköpfe, durch Sterne und Mohnköpfe geschieden, 
die zwölf Stunden der Nacht in symbolischer Weise andeutend. Sie werden 
enden mit dem Schrei des I-Iahnes, des Verkündigers des Tages, der sich 
vor den Bogenstellungen, die das Schattendach tragen, stolz aufrichtet. Das
	        
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