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MAK

Full text : Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 5)

geradeso wie in Nymphenburg.

 Man wusste

ganz genau, welchen

Reiz die warme, glänzende,

 glatte Oberfläche

und die stets wechselnde

 Silhouette einer

unbemalten Figur besitzt.

 Der Zwettler Tafelaufsatz

 ist ein klassisches

 Beispiel dafür.

Wenn man in der ersten

Zeit der kaiserlichen

Fabrik bemalte, so geschah

 dies entweder in

ganz spärlicher Weise,

bei den nackten Figuren

durch zarte Tönung des

Fleisches an den er" Tabakhüchse mit Löwenkopfgrißen, bunten Vögeln und Blumen, zwei

habenen Stellen,  be- Hunden als Deckelgriff [?] (Katalog Nr. x45)

kleideten Figuren durch

lichte Tönung und Streublumendekor, oder aber man bemalte total in

starken Farben und grossen Flächen. Allmählich aber emanzipierte man

sich vom Meissener Einfluss und schuf sich seine eigene „Staffierung", wie

man damals sagte, im engsten Anschluss an das Zeitkostüm. Die Cris

de Vienne geben uns den besten Begriff von dieser Stafi-ierung, die gerne

die Kostüme licht mangan violett mit viel gelb bemalte, oft mit dunkleren

Streublumen derselben Farbe bedeckt; dazu kommen, besonders am Mieder

in den Einfassungen und Verschniirungen, zarte kokette Goldverzierungen.

Auch die Sockelbildung und Bemalung wird im Laufe der Entwicklung

selbständig, sie ist zumeist sehr einfach und von zirka 1760 an mit einem

graziösen umgehenden Goldomament geschmückt.

Im Jahre 1767 kam Beyer nach Wien. Zwischen seiner Tätigkeit in der

Ludwigsburger Porzellanmanufaktur, in der er die reizenden Tänzerfiguren

und anderes modelliert hatte, und seiner Ankunft in Wien lag sein italienischer

Aufenthalt und Winkelmanns grosser Einfluss. Seit 1767 beginnt in Wien

der systematisch wachsende klassizistische Einfluss, das heisst für Porzellan

der Einfluss von Sevres. Man liess Biskuitgruppen und -figuren aus Sevres

als Vorbilder kommen und kopierte sie zum Teile direkt. So ist zum Beispiel

die bekannte, in Wien öfters ausgeformte, schöne Gruppe der drei Bacchantinnen

 mit dem Bacchusknaben direkt kopiert nach dem französischen Original,

das der ältere Brachard nach Boucher modelliert hat. Zuerst finden wir es

in Wien glasiert (Österreichisches Museum) aber unbemalt, dann bemalt

im Wiener Dekor (Nr. 488) und endlich ohne Glasur in der kalten, strengen


            
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