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Volltext: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

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Baumaterialien. 
Der natürliche Asphaltstein von Neuchâtel in der Schweiz liefert hauptsächlich das Roh 
material doch wird solches auch von Sizilien und von S. Valentino in den Abruzzen be 
zogen. Häufig kommt auch Kunstasphalt zum Vergießen der Steinpflasterfugen und vorzugs 
weise zur Erzeugung der Dachpappe in Verwendung. 
E. Bauhölzer. 
Die Hölzer werden entweder auf dem Wasserwege bezogen oder mittels der in Wien 
einmündenden Bahnen. Das Floßholz kommt auf der Enns und Donau nach Wien. 
Weiches Holz, und zwar Fichten- und Tannenholz, wird zum kleineren Teil aus Nieder 
österreich, mehr von Oberösterreich und Steiermark, zum weitaus größten Teil aber aus Galizien 
und Ungarn, Föhrenholz aus Niederösterreich bezogen. 
Mittelhartes (Färchen-) Holz kommt hauptsächlich aus Oberösterreich und Steiermark. 
Hartes Holz (Eichenholz) wird zum geringen Teil aus Niederösterreich, Oberösterreich 
und Steiermark, zumeist aber aus Galizien und Ungarn (Slavonien) zugeführt. 
Fichten- und Tannenholz findet insbesondere für Träme, Dübelbäume, Dachhölzer und 
für Bretter Verwendung, Föhrenholz für Fenster, Türen, Veranden und Holzstöckelpflastcr, 
Färchenholz für Piloten, Rostschließen und Rostläden, Fußböden und Getäfel, für Eiskeller 
bau und Wasserbauten. Eichenholz wird für Piloten, Türen, Vertäfelungen, Parketten, Stiegen 
anhaltstangen etc. benützt. 
F. Metalle. 
Die Verwendung des Eisens als Baumaterial hat in Wien sowie in allen Großstädten 
außerordentlich zugenommen und es wurde insbesondere das Holz aus vielen Bauteilen ver- 
dräügt. Hauptsächlich ist es das Schmiedeeisen, welches in den verschiedensten Walzeisensorten 
zu vielen Konstruktionen dient. Nicht zu übersehen ist, daß durch die Entwicklung des Beton 
eisenbaues das Schmiedeeisen erhöhte Verwendung gefunden, während Gußeisen selbst bei der 
Konstruktion von Säulen immer seltener vorkommt. 
Nach Vollendung der Wiener Verkehrsanlagen waren die Wiener Eisenkonstruktionswerk 
stätten infolge Mangels größerer Bautätigkeit genötigt, sich vielfach mit der Ausführung kleinerer 
Objekte zu begnügen. , . . , 
Man verarbeitet in Wien hauptsächlich steirisches und böhmisches Eisen; Walzeisen werden 
vornehmlich aus Blansko und Witkowitz in Mähren, Kladno in Böhmen, Donawitz in Steier 
mark, Teschen in Schlesien und aus ungarischen Werken bezogen. 
Zur Dachdeckung werden Schwarzbleche, verzinkte Eisenbleche (auch in Form von so 
genannten Dachpfannen und Wellblechen), dann Zinkbleche und seltener auch Kupferbleche 
(Kuppel der Hofburg) verwendet. Zinkblech dient zur Herstellung von Tramkopfschutzkapseln, 
von Reservoirs und Badewannen sowie zur Gesimsabdeckung. Aus getriebenem Zinkblech werden 
Ornamente für Fassaden, Gesimse, Balkonkonsolen, Verkleidungen, Turmknäufe, Baluster etc. 
und aus Zinkguß Figuren, Rosetten und Kandelaber verfertigt. 
Im inneren Ausbau kommt außer Eisen und Kupfer, Messing und Bronze zuweilen auch 
Aluminium zur Benützung. 
G. Glas. 
Das Glas finden wir in Verbindung mit Eisen in immer steigender Anwendung. Als 
Verglasung für Hoffenster kommt vorzugsweise gewöhnliches, grünes, böhmisches Tafelglas, 
für Gassenfenster weißes Solinglas oder belgische Spiegeltafeln, für Aborttüren und Bade 
zimmerfenster Schnürlglas, für Stallfenster Wellenglas in Betracht. 
Besonders zu erwähnen ist die zunehmende Beliebtheit des Gußglases für Fichteinfall- 
schachte für Wandplatten und Glasdachziegel, ferner die häufige Verwendung der Falcomer- 
schen Glasbausteine und des Drahtglases für Oberlichten. Auch das sogenannte Luxferglas 
zur Verbesserung der Belichtung der Räume mit großer Tiefe findet Anwert. 
H. Hilfsmaterialien. 
Kitte. Außer den bekannten, auch sonst überall angewendeten Kitten wären besonders 
zu erwähnen der Matscheko-Steinkitt, der zum Ausbessern der Stiegenstufen viel benützt wird, 
und der ncuestens zum Vergießen von Eisen in Stein beliebte sogenannte „Metallzement“. 
Farben. Als Fassadefarben werden hauptsächlich die Kronsteinerschen, dann die Keim- 
schen und Christschen Mineralfarben, die Kleinertschen Manganfarben, Indurin etc. ver-
	        
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