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MAK

Full text : Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 5)

furchigen, mit Lebensrunen durchzogenen Gesichtern alter Menschen. Werenskiölds

Edvard Grieg unter dem blühenden Baum in die Luft lauschend, ist voll musikalischer

Empfängnis. Zorn bringt eine Studie seiner Frau, von sprühender Augenblickswirkung.

Kroyer zeigt Jonas Lie, mit dem säuerlichen Gesicht und dem Pastorenbarett, über

Büchern und Papier.

Vielseitig spiegelt sich die deutsche Porträtkunst. Frappant, voll funkelnden Temperaments

 steht das Marietta-Bild vom Slevogt da, die spanische Tänzerin in blauiliessendem

Kleide mit gelbem Crepe de Chine-Shawl, umwogt von den Farben und den rauchigen

Wolken einer Cabaretnachtstimmung.

Tini Senders Gesicht voll Drolerie fixiert mit kecken Eindrucksstrichen Louis Corinth.

L. v. König bannt in der Wiedergabe eines jungen Aestheten, der halb auf einem altertümlichen

 Clavirecembal sitzt, kulturelle Amateurstimmung. Dora l-Iitz hält den Eindruck

der Frau Eleonora von I-Iofmann fest und breitet klassizistisch strenge Weihe, Cameenluft

über die edel in einem griechischen Sessel ruhende Gestalt.

DieLandschaft wird vor allem durch Liebermann und Leistikow vertreten. Liebermann

kommt wieder mit seinem Lieblingsmotiv, den Reitern am Strand, das so viel Möglichkeit

an Bewegungsrhythmus, an Lichterspiel, an heller Ferne und Weite gibt und Leistikow

versinnt und verspinnt sich, voll Trauminnigkeit, in Einsamkeit umwobene Waldinterieurs

und bannt die Seele der Jahreszeiten.

Die Sonnentrunkenheit eines gewaltig verästeten Baumes zwingt Martin Brandenburg

wirksam in die Erscheinung, aber er lähmt die echte Poesie dadurch, dass er die Sonnenstrahlen

 allzu deutlich allegorisch als Elfen personiiiziert. Grosstadtphantastik schwingt in

Hans Baluscheks Eisenbahnbild: das mächtige Schienenfeld von Lichtern, Rauch und

Feuerschlangen durchkreuzt, man denkt an das Turner-Motto „Regen, Dampf und

Schnelligkeit." Doch erscheint gegen die Magie dieses grossen Koloristen unser Bild noch

zu körperhaft, zu zeichnerisch, zu topographisch.

Einige Ausländer von besonderer Prägung sind noch zu notieren. Die Franzosen

Cottet und Simons, der eine mit seinem Bretonischen Sonntag, von strotzender Flächenwirkung,

 der andere mit seinen Bretonen in der Messe, voll wuchtiger Holzschnittcharakteristik

 der Gesichter.

Omamentale und Stilisierungskunst fällt unter den Wirklichkeitsschilderem mannigfach

auf. Das stärkste Werk dieser Art ist des Schweizers I-Iodler Rückzug von Marignano, eine

I-lelvetische Freske in monumentalem Rundbogen: bannerüberflatterte Landsknechte in

gepuffter und geschützter Tracht, kühn gruppiert, ein heraldisches Mosaik. Strathmann

stellt sich mit einer Vogelpredigt des heiligen Franziskus ein auf einem buntscheckigen

Blumenteppich voll raffinierter Primitivität. Karl Walsers graziöse Kalligraphie strichelt in

zierlichem Perliiligran einen empfindsamen Fensterausschnitt, mit den Blick auf Tränenweiden,

 und aus der Flucht der Strassenparallelen mit schwanken Laternen in Schnee

gewinnt er eine Vignette. .

Bosch-Reitz, einHolländer, malt denI-lafen von StJves mit dem Wald vonSegelmasten,

in den graugrünen starren Tönen eines Gobelins, er erinnert an die Armada-Wandgehänge

in Hamptoncourt bei London. Nur wenig Plastik ist in den Sälen verstreut. Elegant, mit

momentanem Griff ist die Bronze der sitzenden Dame, volantumwallt, gegriiTen. Bernhard

Hötger, der gleich Desjean und dem Fürsten Troubetzkoi Virtuos der impressionistischen

Plastik ist, stellt sie aus.

Schöngeprägte Plaketten - vor allem die Platte „les lys" - sieht man von Dubais.

Eine Rodin-Vision ist Streichers „]o".

Beredt gestaltet ward der Normännische Fischerkopf von Oppler und voll

polychromer Laune präsentiert sich die Holzbüste, die Max Kruse nach Friedrich Dernburg

modellierte. _

Eine sehr bunte und unruhige Physiognomie zeigt diesmal die „Grosse Ausstellung."

Wie immer geben den ersten Eindruck die gemalten l-Iistorien, Schlachten zu Lande und
            
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