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MAK

Full text : Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 5)

zu Wasser, in Riesengrösse wie das Kolossalgemälde von Hans Bohrd und in bescheidenem

 Zimmerformat. Zur preussischen Geschichte gesellt sich diesmal ungarische

Chronik. Im grossen blauen Saal findet sich eine Gruppe ungarischer Maler zusammen,

Benczur, Feszty, Biharis mit grossflächigen Szenen ihrer Nationalgeschichte: Ungarische

Königsdramatik. Dazu gesellt sich ein kunstallegorischer Plafond Munkacsys.

Das Ausland ist sonst numerisch nicht stark vertreten, bringt aber in die ermüdende

Fülle des Durchschnittmässigen manch Beachtenswertes. Packend wirkt die Farbenfuric

des Spaniers Soro-lla y Bastida: grünblauer Wogengischt mit geblähten Segeln und in der

aufgewühlten Flut die mächtigen scheckigen Leiber der Stiere. Leidenschaft und

elementare Wucht, Boreas Brausen fährt durch dieses kolossale Bild.

Viniegras Weinlese blendet mit scharfer südlicher Sonnenmonotonie, das Erstickende

lautloser Mittagsschwüle weht uns an, die Landschaft dürstet und das Grün der Weinblätter

 erscheint im prallen unbarmherzigen Licht fast stachlich.

Aus einer gleichmütigen Nachbarschaft blickt fesselnd und voll lebendiger Gegenwart

 der Raucher von Gari Melchers, aus dem dunklen Hintergrund kräftig herausgerneisselt,

 mit dem roten Ärmel und dern verschlagenen Gesicht des fahrenden

Gauches.

In deutscher Kunst ist das Beste die Landschaft. Zwar keine neuen Lieder werden

gesungen, aber Kallmorgen, Dettmann, Feldmann, Otto l-I. Engel, Kayser-Eichberg haben

immerhin in ihren Naturausschnitten innerlich erlebte Lyrik und empfundene Schwingung.

Fatal berührt das unvergängliche Genre geschwätziger, breit redseliger und selbstgefälliger

 Anekdotenbilder, auf denen ein Seemann seine Abenteuer erzählt oder auf

denen mit Kinderrettung in Seenot kunstwidrige Spannungseffektmacherei getrieben wird.

Noch fataler aber dünkt das phantasielose Böcklin-Epigonentum, das sich in äusserlichen

Variationen des Spiels der Wellen mit Seeschlangen, Heiligtümern am Meer, Zypressen,

blauwallender Meeriiut und marmornen Toteninsel-Gestaden hier breit macht.

Verweilendere und anregendere Betrachtung ergeben die kleinen Sonderausstellungen,

die künstlerischen Oasen dieses wirr verzweigten Riesengeländes.

Zu Lenbachs Gedächtnis ladet ein mit Truhen und Gestühl geschmücktes Kabinett

ein. Aus der künstlerischen Welt des grossen Menschensehers scharen sich hier die

Männer- und Frauengestalten, wie sie sein schöpferischer Blick sah, deutete und auf die

Leinwand bannte. Und ihren Reigen führt jenes Bismarck-Bild, auf dem der Gewaltige

monumental, den Eisenhelm über dem mächtigen bleichen Gesicht, aus der Nacht taucht

wie eine Shakespearesche Heldengeistererscheinung. Und ihren Schluss macht Margot

Lenbach in der Ritterrü-stung wie ein Shakespearesches Königskind.

Fesselnd sind die Kabinette des Karlsruher Ludwig Dill und des Berliners

Max Uth. Dills Landschaften haben etwas Visionäres. Seine Abenddämmerungen, seine

verblühten Disteln, seine Weiden und Wachholderbüsche, seine Birken im Moor

sind schwer traumumfangen. Fahles Leuchten schwebt darüber, oft fühlt man die

Stimmung eines vereisten Sternes, wie stygische Flut schläft das Wasser zwischen

den dunklen Ufern und die bleichen Federblumen, die sich huschtig drängen, scheinen

wie Totenköpfe.

Max Uth hat dagegen ein ausgesprochenes Wirklichkeitstemperament. Seine Ziele

sind die winkligen Gassen der Altstädte, das Gewirr verwinkelter Höfe, das Geschachtelte

windschiefer Gewölbe, die Farbensprenkelung der Hafenstriche, die aus Qualm und Rauch

hindurchblitzt. Und er pinselt liebevoll das ab und seine reiche Palette bringt die unendlich

vielfältige Patina der Zeit und der Witterung auf Mauern, Zäunen und holprigen Pfiastergestein

 illusionskräftig nah.

Auch die Abteilung der Graphiker, des Illustratorenverbandes, der Plastiker und der

Architekten ist zahlreich beschickt. Und schliesslich ist auch das Kunstgewerbe mit einer

Anzahl von Innenräumen vertreten. Man kann ihnen weder viel Gutes noch viel Übles

nachreden. Die Monstrositäten, das falsche Pathos und der forcierte Verblüffungsstil fehlt
            
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