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Full text: Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 6)

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Anbietplatte eines Solimires, kohaltblau mit bunten Watteauszenen und Vergoldung (Katalog Nr. 470) 
war vorbei, die Zeit in der ein Martinelli das Palais Liechtenstein, ein 
Prandauer Melk, ein Felice d'Allio Klosterneuburg bauten und ihr grosses 
Gefolge von Dekorateuren und Stukkatoren an der Ausschmückung 
tätig waren. Sie und ihre Genossen sind es, die den Barockdekor in 
Österreich so glänzend ausgebildet haben, dass die Barocke ihr Leben hier 
fast um zwei Dezennien länger zu fristen vermochte als in den Nachbar- 
ländern. Sie sind es, deren Entwürfe auch den Malern und Modelleuren der 
Porzellanfabrik zugute kamen. Endlich wurde aber die Barocke auch in 
Wien vom Rokoko abgelöst, und auch die Porzellanfabrik musste diesen 
Prozess durchmachen. 
Dabei ist aber zu bemerken, dass Wien niemals eine Rokokostadt in 
eminentem Sinne war. Das architektonische Wien sprang von der Barocke 
fast unvermittelt in den Klassizismus Ludwig XVI. Die lange Regierungs- 
dauer der Kaiserin Maria Theresia, deren Geschmack massgebender war 
als der ihrer Kinder, mag mit daran Schuld gewesen sein. Vor allem aber 
war dem Kunstbedürfnisse der Stadt durch die voran gegangene Generation 
so reichlich Rechnung getragen, dass kaum Anlässe zum Bauen vorhanden 
waren. Zahlreiche Neuschöpfungen, Paläste, Kirchen, Stifte und Schlösser 
waren eben fertig geworden und erglänzten in ihrer stolzen barocken Pracht, 
eine Ruhepause trat ein, das wenige, das im Stile des Rokoko in Wien und 
Umgebung gebaut wurde, war nicht geeignet, das vorangegangene zu
	        
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