MAK
Seite 114 
INTERNATIONALE SAMMLER - ZEITUNG 
Nr. 10 
50.000 Fr cs. erstanden zu haben, der unter Brüdern 
ein Mehrfaches der Summe wert war und für den 
ihm auch tatsächlich ein Amerikaner 200.000 Frcs, 
geboten hatte. 
Als inan den jungen Millet bei der Polizei fragte, 
ob er überhaupt jemals mit einem echten Millet ge 
handelt habe, antwortete er lachend: »O ja, einmal 
hatte ich einen von einem englischen Händler ge 
kauft, ich brauchte aber Geld und so verschleuderte 
ich ihn um den Preis von 50.000 Frcs. Um eine sol 
che Lappalie hätte ich später nie einen falschen 
Millet hergegeben.“ 
Wie viele falsche Bilder Millet und Cazeau in 
den Handel gebracht haben, konnte bisher nicht fest 
gestellt werden; daß die Zahl in die Hunderte geht, 
ist gewiß. Man kolportiert, daß Millet angegeben 
habe, alle Millets im Museum von Barbizon 
seien gefälscht. Das scheint übertrieben, we 
nigstens bestreitet es Herr Douim, der freilich den 
Schmerz erleben mußte, daß ihm der Untersuchungs 
kommissär, als er auf die Echtheit der Tafel »Der 
Mann mit der Hacke« hinwies, schonungslos sagte: 
»Leider, verehrter Herr, stammt gerade dieses Bild 
aus dem Atelier des Herrn Cazeau; er sowohl, als 
der Enkel Millets haben die Fabrikation dieses Bil 
des zugegeben. Es ist also wohl authentisch 
falsch!« 
Ein Gutes hat die Aufdeckung der Fälschungen 
indes gehabt. Sammler, Kunsthändler und Museen 
sind jetzt eifrig an der Arbeit, um Spreu vom Wei 
zen zu sondern, um zu kontrollieren, was von den 
Erwerbungen der letzten Jahre echt, was unecht ist. 
Im Pariser Louvre haben die Erhebungen 
I schon zu betrübenden, die Museumsverwaltung arg 
j kompromittierenden Feststellungen geführt. Es wur- 
1 den z-wei Watteau zugeschriebene Gemälde — 
Fete champetre« und »La Plantation du Mai« als 
I Fälschungen agnosziert. Der Louvre hatte diese 
Gemälde, deren Echtheit mehrfach bescheinigt war, 
: im Jahre 1925 von einem großen Pariser Kunst 
händler um 1,500.000 Frcs. erworben und im Mu 
seum aufgehängt. Die Verwaltung verlangt nun die 
| Nichtigkeitserklärung des Kaufvertrages und die 
Rückgabe der Kaufsumme; ob sie damit Glück haben 
I wird, ist indes fraglich, da der Kunsthändler mit 
Recht einwenden wird, daß die Gelehrten des 
Louvre sich darüber im klaren hätten sein müssen, 
| ob die Bilder echt sind oder nicht Ein Museum darf 
! doch am wenigsten auf Gutachten fremder Experten 
hin Käufe abschließen. 
Die falschen Watteau« sollen von einem seiner 
Schüler. Pierre Antoine Q n i 11 i a r d, herrühren 
der die Handschrift seines Lehrers am besten nach 
zuahmen verstand. Quilliard. der 1733 jung starb, 
hat seine letzten Lebensjahre in Lissabon verbracht. 
Er war nach Portugal gereist, um dort Pflanzenzeich 
nungen für ein wissenschaftliches Werk anzufertigen, 
wurde vom König zum Hofmaler ernannt und blieb 
in Lissabon. Quilliard malte Plafonds in den Ge- 
I mä ehern der Königin und Bilder für das Palais Ca- 
; daval. Ferner zeichnete und stach er 1730 die 
[ Trauerfeierlichkeiten beim Tode des Herzogs von 
Olivarez, Apollo krönt einen Dichter u. a. 
Cm Ereignis auf dem französischen Jiüchermarkt. 
Die Versteigerung der Bibliothek des verstor 
benen Antiquars Edouard N a h i r gestaltete sich, 
wie uns aus Paris berichtet wird, zu einem Er 
eignis auf dem Büchermärkte. 
Nahir war durch vier Jahrzehnte der bekann 
teste Berater aller Bücherfreunde der Welt. — Aber 
er war nicht nur dabei behilflich, fremde Bibliothe 
ken sachgemäß aufznbauen, er war selbst großzügi 
ger Sammler. Am meisten sah er auf kostbare, alte 
Bucheinbände. Kam so ein Buch in einem herrlichen 
Einband einmal in seine Hände,, so konnte man ge- 
wiß sein, daß er es nicht in seinen Laden steckte., 
sondern seiner eigenen Bücherei einverleibte. Es 
blieb dies natürlich kein Geheimnis und s© kam es, 
daß bei der Versteigerung seiner Bibliothek sich 
alles einfand, was mit ihm die Schwärmerei für den 
Bucheinband teilte. Amerika war durch W e 11 s und 
Rosenbach vertreten, die mit Seiler., Ken 
nedy und anderen Kunsthändlern von jenseits des 
großen Teiches jetzt nach Europa herüberkamen 
Der besonderen Qualität angemessen waren 
auch die Preise. Man konnte es wieder einmal wahr 
haben. was von der Flauheit des Marktes zu hallen 
ist. die in aller Munde ist. Wenn hohe Qualitäten 
ausgeboten -werden, zerstieben alle Theorien in 
nichts, 'es findet sich plötzlich das Geld, an dem. 
angeblich so großer Mangel in der Welt jetzt ist. 
Keine der Kostbarkeiten ging zurück, ja es traten 
der Käufer viele auf . die sich in heißem Kampfe die 
Objekte abzujagen suchten 
Schon gleich der Anglerius aus Basel von 1533 
in altem... schönen Wildlederband brachte 69 '5QFr.es. 
Der Appiam, der 1744 im Lyon gedruckt wurde, 'in 
einem herrlichen Wildlederband mit dem Wappen 
des Herzogs Franz von Gu.se fand -um 52 000 Frcs. 
einen Liebhaber. Der erste Kampf entbrannte um 
j den Baskervülle-Drudk des „Rasenden Roland“ von 
Ariost, der in einem Exemplar auf großem Papier 
und in einem prachtvollen alten Marocainband des 
| 18. Jahrhunderts vorlag. Er wurde auf 206.000 Frcs.. 
! hinauflizitiert. Erbitterter war noch das Ringen um 
I den Colonna des Aldus, dessen brauner Kalb! e der - 
: band mit dem Wappen Kaiser Karls V. geschmückt 
j war: Der Sieger mußte 280.000 Frcs. erlegen. 
Obgleich nach diesen Kämpfen die Hitze des 
| Gefechtes sich etwas abkühlie. kamen immer noch 
I große Qualitäten und große Preise.. Das Theater von 
j Corneille, die Genfer Ausgabe mit dem Kommen 
taren von X oltaire und dem Illustrationen vom Gro- 
velot, erzielte in schönsten Maroquinband wieder 
mit altem Vappen in zwölf Bänden 76,000 Frcs.: 
der Dante vorn 1544 mit den schönen Bildern in 
einem Maroquinhand, der .die Wappen Heinrichs H. 
und der Diana von Poibers aufweist, dankten diesen 
berühmten bibliophilen Wappen den horrendem 
Preis von 15SJMB© Frcs. 
Zum Schluß gab es aber noch einmal einen ganz 
besonderer Sensationspreis., der alles bisherige hin 
ter sich ließ, und dieses Mal für ein deutsches Werk. 
Ule NummerS2 des Kaiaioges vereinigte tob Dürer 
die ^Apokalypse nn ersten Druck, die Passion von 
15f0 und das »Leben Maria« in der Hoizschnittfaßge 
von 1509 und 1510. Das Exemplar hatte durchwegs 
I breiten Rand, war ausgezeichnet erhaben und noch 
in seinem ersten, vollkommen frisch gebBebenem 
Einband. So selten das natürlich alte zusammen- 
trifft. so war der Preis doch überraschend hoch. Er 
j betrug nämlich 440:000 Francs. Wm dem Welt 
krieg war dieres Buch um 15.000 Frcs. zu haben 
und noch im Jahre 1926 hatte -nar dafür 40.000 Frcs. 
I gezahlt.
	        
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.