Neuwied, wo er einen neuen Betrieb ins
Leben gerufen hatte. Die in Dresden aus-
gestellten Kommoden sind Meisterwerke:
mit den leicht farbigen Hölzern sind in die
Füllungen Zimmerbilder eingelegt, deren
perspektivische Wirkung nichts zu wün-
schen übrig lässt. Beide Kommoden zeigen
uns aber noch eine andere Eigenschaft der
Möbel, die zu jener Zeit beliebt war. Ab-
gesehen von den beiden Griffen am Tisch-
kasten entdeckt man an dem ganzen Möbel
nirgends ein Schlüsselloch, einen Griff oder
sonst eine Möglichkeit, das Möbel zu öffnen.
Durch den Druck auf einen winzigen Knopf
öffnet sich das Schlüsselloch; führt man nun
den Schlüssel ein und drückt man nun daran,
so springen die Türen wie durch Zauber-
macht von selbst auf; ja noch mehr, die
Schubkasten schieben sich von selbst her-
aus, teilen sich und klappen auf. Diese
Mode des Geheimnisvollen stammt aus der
Werther-Zeit - Louis XVI. Die Fülle von
Schubladen, Lädchen und Geheimfächern
ist bezeichnend für die Zeit, als man so
hohes Gefallen am Briefschreiben fand und
namentlich die Damen einen grossen Teil
ihrer Zeit am Schreibtisch verbrachten.
Auch an den andern Möbeln der Aus-
stellung findet man, dass die Empirezeit
Schloss und Schlüssel zu den unbequemen
Empireausstellung
„goldenen Toilette
in Dresden, Aus der
" der Stephanie Beauharnais
Notwendigkeiten rechnete: Die Schubläden an einigen ovalen Tischchen
sind nur durch Drücken an einem verborgenen Knopfe zu öffnen, der eine
Stahlfeder auslöst. An andern Möbeln sind die Schlüssellöcher durch bronzene
Klappen oder Rosetten verdeckt, oder sie sind wenigstens ganz unauffällig
angebracht, dass man sie nur bei scharfem Hinschauen sieht. Als unästhetisch
Empireausstellung in Dresden, Aus der „goldenen Toilette" der Stephanie
Beauhamais
empfand der Em-
pirestil die mäch-
tigen Kleider-
schränke, grosse
Speise- und Ge-
schirrschränke.
Statt der Kleider-
schränke benützte
man ausgesparte