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MAK

Full text : Monatszeitschrift VII (1904 / Heft 12)

fast keine Gelegenheit, man muss mit allem Vorhandenen rechnen. Decke und Wände

kann man korrigieren, aber die Fenster, die nicht Glieder der Wandarchitektur, sondern

klaffende Mauerlöcher sind, können nicht nachträglich organisch ausgebildetwerden, sondern

ihre tapetenbeklebte Einfassung muss, um nicht störend zu wirken, mit Stoffen förmlich

maskiert werden, was ein direkter Widerspruch ist zu der Praxis, die sonst in einem

modernen Interieur angewendet wird. Die Türen sind selten gut und sitzen selten an der

zweckmässigen Stelle, auch sie zerreissen meistens die Wände, und die Klinken sind in

einem Zimmer, dessen Möbel schöne schlichte Beschläge aus reinem Material haben, ein

Hohn. Der Rest wird einem Raum meistens durch den „farbenfreudigen" Majolika-Ofen

mit Figuren und Aufsätzen gegeben. Zentralheizung erspart diese Gräuel, aber auch nur,

wenn sie unter dem Fenster unsichtbar angebracht ist. In sehr teuren Berliner Wohnungen

kommt es aber auch vor, dass solch braungestrichener Holzkasten mit roh kannelierten

Pilastem und gelbem ausgestanzten Gitter frei an der Wand steht und eine Ecke völlig

ruiniert.

Es ist für Künstler, die ihre Aufgabe in Ganzheit anzusehen gewöhnt sind, ein

undankbares Geschäft, für solchen Rahmen geschmackvollen Inhalt zu schaffen. Sie

können da eigentlich nur Einzelleistung schaffen und selbst ihr Bestes muss Stückwerk

bleiben.

In solche Lage kam August Endell, der phantasievolle Schöpfer des „Bunten

- Theaters", der eine Wohnung im Berliner Westen mit all ihren Untugenden künstlerisch

veredeln sollte. Gerade Endells Formensprache in ihren pittoresken Einfällen,_ ihrer

Nuancenfülle, braucht absolute Einheit, sie verträgt am schlechtesten die Nachbarschaft

der rudimentären Elemente aus der Mietshausarchitektur. Auf Raumgestaltung musste

von vornherein verzichtet werden, nur in der Bildung der Einzelstücke konnte sich Endell

betätigen.

Überraschendes und Anregendes gelang ihm. In sehr glücklicher Weise fand er

diesmal - nicht immer traf er das so - die Mischung von schlichter Konstruktion mit

einer sparsamen aber ganz erlesenen Schmucktechnik. Grossen Takt bewies er in der

Disposition des Omamentalen und seine Zierrate sind von einer Originalität, von einem

seltenen Reichtum des Einfalls, der keinem Vorbild tributpiiichtig ist. Man denkt bei

diesen Beleuchtungskörpem, diesen Holzdurchbruchiigurationen, diesen Intarsien und

Kerbschnitzmotiven, an die vielgestaltete Welt der Tiefsee, an Korallenverästungen, an

Algenschlingwerk, an Seesterne und Muschelfiligran, aber nicht naturalistisch, nicht als

Kuriosität tritt das auf, sondern frei erworben, mit überlegener Hand variiert, am richtigen

Platz angesiedelt, sitzt dieser Schmuck in schöner sicherer Selbstverständlichkeit organisch

gehörig im Gerät und Möbel.

Besonders mannigfaltig bildet Endell die kleinen Säulchen aus, die er gern als Träger

benützt, vor allem bei den Ecksofas, deren überragendes Schaubrett-Panneel wie ein

Arkadengang mit Dach und Säulen - ein guter Nischenrahmen für die Bibelots -

angelegt ist.

Ihre Kapitäle, oh: matt versilbert, sind immer wechselnd, wie Flügel wachsen sie aus,

oder kolbig, oder korallenschossig, aber immer geben sie den Eindruck des lebendigen

Erwachsenseins.

Schön sind Endells Intarsien. Im Toilettenzimmer hat er eine Komposition von

Schrankkästen geschaffen, glatt, ganz schlicht im Gefüge, nur körperhaft, dabei von

bewegten: Reiz durch die kostbare Einlegearbeit. In tiefleuchtendem Mahagoni schwimmen

frei, wie hingestreut, in japanischer Leichtigkeit graziöse zackige, spriessende Ornamente

aus seegrün geflammtem goldgeäderten Holz und schimmernder Perlmutter von einem

transluciden Glanz, als strahlten Tiifanyfüllungen.

Das hervorragendste Stück der Einrichtung aber ist die grosse Kredenz des Speisezimmers.

 Geräumig, wie selten ein Buifet und dabei von einer Proportionsdelikatesse, dass

dies riesige Möbel leicht und anmutig im Raum steht. Es ist ein gutes Beispiel für die

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