MAK

Full text: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 2)

 
es daher hier viel mehr mit einer bewußten Gebundenheit als mit einem 
Unvermögen zu tun. Dieselbe Gebundenheit brachte ja auch dem Wand- 
schmuck durch Malerei eine eigenartige Ausbildung. Die Fläche zwischen 
dem Rahmenwerk der Dachunterstützung bleibt im Inneren, wo die Malerei 
zur reichen Anwendung gelangt, als Ebene charakterisiert, ob wir es nun mit 
Rollbildern (Kakimonos) oder an die Wand gemalten Darstellungen zu tun 
haben. 
Obwohl die malerische Darstellung, insbesondere bei Künstlern jüngerer 
Perioden wie bei I-Iokusai, zu einem Naturempfinden fortschreitet, das jedes 
lineare Detail zum Entzücken lebendig durchzieht, bleibt die Flächenhaftigkeit 
der Gesamtwirkung bewahrt, wenn es sich selbst gar nicht mehr um eigent- 
lichen Wandschmuck, sondern bereits um Buchschmuck (Farbenholzschnitt) 
handelt. Und gerade dieses Fortleben strenger stylistischer Fesseln neben 
hohem naturalistischem Können, das eine weise Beschränkung involviert, 
hat viel zur Rückwirkung der ostasiatischen Kunst auf die europäische 
beigetragen. 
Es ist die Verbindung feinster Naturbeobachtung mit traditionellem 
Stylempfinden, das dem schwankend gewordenen und seinem Boden 
entrissenen europäischen Kunstgefühl des XIX. Jahrhunderts wieder zur 
Besinnung verholfen hat, der herrschenden Stylverwirrung eine Gegen- 
bewegung entgegensetzte. 
So zeigt uns das japanische Kunstschaffen, trotz aller Gegensätzlich- 
keiten und stellenweisen Unvollkommenheit das imponierende Überwiegen
	        
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