MAK

Full text: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 2)

 
Gartenseite eines japanischen Wohnhauses 
Alle die Grundzüge des Bildens und Schaffens, die der Tempelbau auf- 
weist, finden wir oft in rührend einfacher und doch liebevoller Form irn 
Wohnbau vor. Diese ruhigen, eingeschoßigen, klar disponierten Familien- 
häuser mit ihrer einfachen Nebeneinanderstellung von rechteckigen Räumen, 
deren Größe nach der Anzahl der aneinander gereihten Fußbodenmatten 
(Tatami) bezeichnet wird - bilden im Sommer fast nur ein von Holzstützen 
getragenes mächtiges Dach. Die Zwischenwände sind zumeist verschiebbar, 
Fenster und Türen desgleichen; Drehvorrichtungen vermeidet man wegen 
der Stürme. Schornsteine sind unbekannt, da nur transportable Kohlen- 
becken zur Heizung dienen, und so kann sich auch hier der Hauptschmuck 
des Äußeren auf das Dach konzentrieren. Möbel fehlen fast ganz, sind nur 
zu Kultzwecken vorhanden. Dafür ist die Wandfläche mit ihrer festen 
rechtwinkeligen Rahmung, die niemals durch Diagonalverbindungen unter- 
brochen wird, eine ungemein geeignete Stätte für die Anordnung malerischen 
Schmuckes; er wurde von den einfachen Pflanzen- und Tierdarstellungen in 
Bürgerhäusern bis zu vollendeten farbigen Dekorationen der Paläste, welche 
Darstellungen aus den nationalen Kämpfen oder Vorgänge aus der religiösen 
Legende enthalten, mit Vorliebe gepflegt und zu hoher eigenartiger Voll- 
kommenheit entwickelt. 
Eine besondere Bedeutung für seine Anordnung rnuß einerseits der 
Beleuchtung durch niedriges Seitenlicht zugemessen werden, die sowohl 
beim Profanbau wie beim Tempelbau charakteristisch ist, da ja die wichtigste 
Lichtquelle die zur Seite geschobene Außenwand, die bis zum Boden reicht, 
bildet; ferner auch bis zu einem gewissen Grade das Hocken der Bewohner
	        
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