zwischen dem Bau der Pflanze
und dem Gefäß, das sie aufnehmen
soll, in ein eigenartiges
spezifisch japanisches System
gebracht hat, daß Keramik und
Metalltechnik der ausgebildeten
Pflanzenkultur entgegen kommen,
das sind Momente, die dem Europäer
schon im Innern des Wohnhauses
überraschende Eindrücke
verschaffen. Gesteigert treten sie
auf, wo auch die freie Natur mithilft;
da schreiten wir von der nie
fehlenden Veranda des Hauses
hinab auf zierlich durch Setzsteine
gebildeten Wegen zwischen Steinlaternen
und Felsstücken weiter
zu geschmückten, edel geschwungenen
Brücken, an Wasserläufen
entlang zu Teichen, die mit blühendem
Lotus bedeckt sind, zu Lauben,
in denen die blauen Blütentrauben
der Wisteria in dichtem Regen
herabhängen, und genießen überall
reizvolle Ausblicke auf Baum- oder
Strauchgruppen und Bauwerke,
Felsen und grüne Flächen, die
alle zusammengehörig erscheinen. Wir empfinden, daß hinter der scheinbaren
Nachbildung eine Fähigkeit sich verbirgt, gewollte reizvolle Eindrücke
im Beschauer unwiderstehlich hervorzurufen und so die Stimmung, welche
das Bauwerk atmet, in seiner Umgebung fortzusetzen.
Und damit haben wir gleichzeitig auch das Geheimnis berührt, dem
die gesamte Architektur Japans ihre Wirkung verdankt. Es ist die entwickelte
Fähigkeit, dem eigenen Empfinden auf allen Gebieten einen Ausdruck zu
verleihen, der dem Beschauer die Stimmung des Schaffenden vermittelt.
Die unglaubliche Anspruchslosigkeit der Bevölkerung und die aufrichtige
Liebe für handwerkliche Tätigkeit, zähe Ausdauer und ein angeborener
Geschmack haben aus dem Erbe fremder Kulturen in Japan eine eigenartige
künstlerische Kultur entstehen lassen, die ihren mächtigen Eindruck auf
Europa nicht verfehlen konnte, als sie aus ihrer Abgeschlossenheit heraustrat.
Sie hat ihre wohltätige Wirkung auf europäische Kunsttätigkeit ausgeübt
und verdient darum sicher auch auf jenen Gebieten studiert zu werden, die
heute trotz der mächtig angeschwollenen Japanliteratur noch nicht genügend
aufgehellt sind.
Bucheinband von Charles Meunier
17'