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Full text: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 2)

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Maße vermindern wird, als sie zu 
Meistern des Handwerks sowohl 
als auch der Kunst des Buch- 
bindens anwachsen. Victor Prouve 
war in der Tat sich dieses Mangels 
so wohl bewußt, daß er die von 
ihm im Salon von 1898 ausgestell- 
ten Muster wohlweislich „Album- 
decken" nannte, da er vollständig 
darüber im klaren war, daß sie 
sich für Bücher nicht eigneten. 
Dieser Art ist also die erste 
Kategorie der Buchbinder, deren 
Vorzüge und Fehler ich mich be- 
müht habe, hier kurz auseinander- 
zusetzen. 
Auf der anderen Seite findet 
man jene Binder, welche man als 
„professionell" bezeichnen kann, 
wie zum Beispiel: Marius Michel 
und Charles Meunier. Sie haben 
vom Anfang an ein anderes Ziel im Auge. Den zeitbewährten Traditionen 
der Buchbinderei getreu, lassen sie niemals den Zweck des Buches außer 
acht und sind eher geneigt, die Dekoration der Einbanddecke zu ver- 
nachlässigen. Sie sind in der Tat, wie O. Uzanne bemerkt, bemüht, ihre 
Arbeit mit piiichtgetreuer Rücksicht auf die Regeln und Traditionen ihres 
Faches vorzubereiten und auszuführen. In ihren Einbänden, bewundert 
man nicht nur die dekorative Behandlung eines Lederpaneels sondern 
dessen feste und geschmeidige Anfügung an das Buch, die feste Naht und 
leichte Nachgiebigkeit beim Öffnen: „Alles ist zweckgemäß einem exakt 
ausgeführten Stücke Arbeit angepaßt". 
Man kann sich nun vorstellen, was für Resultate irgend jemand erreichen 
mag, der die besten Eigenschaften beider Schulen in sich vereint: hoch 
entwickeltes Gefühl für dekorative Behandlung und Geschicklichkeit und 
Sorgfalt in der Ausführung. Das scheint Charles Meunier verstanden zu 
haben, denn er arbeitet schon seit einigen Jahren nach diesen Grundsätzen. 
Und das ist es auch, was seinen Erzeugnissen so großes Interesse verleiht. 
In sieben aufeinanderfolgenden Jahren hat Charles Meunier im Pariser Salon 
ausgestellt und jedes Jahr war ein deutlicher und bedeutsamer Fortschritt 
bemerkbar. In allen seinen Einbänden - Les Trophees, Le Lys Rouge, 
L'Evangile dePEnfance, etc. - hat Herr Meunier nach vornehmer Harmonie 
und nach neuen dekorativen Effekten gestrebt. Er wendet stets sehr frei 
behandelte Pflanzenformen an. Obgleich viele seiner Einbände nach Ent- 
würfen hergestellt sind, welche er von andern Künstlern bestellt, ist er doch 
 
Bucheinhancl von Charles Meunier
	        

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