Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 2)

goldbrauner Samt in der Sonne. Pettenkofen, der mit Miller innig verkehrt hat und mit ihm

0B: in Italien gereist ist, steht in seiner Sammlung groß da. Für den Kenner haben gewisse

meisterhafte Vorstudien zu berühmten Bildern ein besonderes Interesse. So das kostbare

Stimmungsbild zum „Duell in der Au", das Schwarz-Weiß zur venezianischen „Näherin".

Zwei große, genial aus dem Ärmel geschüttelte Licht- und Luftszenen mit Zigeunem und

aus dem Bade laufenden Burschen sind als Bilder gar nie ausgeführt worden, in diesem

Zustande der Improvisation aber von größtem Reiz. Großes Vergnügen gewähren auch

zahlreiche Interieurs in Kohle und Kreide; der Raum als solcher und sein besonderes

Licht gibt schon ein Bild, und mit welchen eigentümlichen Ausstattungs- und StaiTagensinn

 sind sie belebt! Manche sind im Fluge entstanden, auf der Reise (nach Italien etwa);

da war Pettenkofen der reine Stenograph. Venedig hat manches kostbare Blatt geliefert.

Ein Blick über die Dächer und Schornsteine, bei weitem durchleuchtetem Grau des

Himmels, ist besonders schön. Dann der Niederblick in die tiefe, schmale Calle dei

Fuseri, vom Goethe-Zimmer im Hotel Viktoria aus. Auch der wohlbekannte „Apotheker"

(richtiger Provisor) aus Venedig erscheint wiederholt, einmal auf einem lustigen Aquarell,

wo er gerade eine Flüssigkeit übergießt. Die ungarischen Stoffe kommen selbstverständlich

auch herangewimmelt. Brillante kleine Farbenszenen vom Markt in Szolnok, aber auch

ganz schlichte, unendlich wahre Zeichnungen. Ein paar Stegreifblättchen aus dem ungarischen

 Krieg, mit etlichen Tropfen Farbe und viel Wasser über die Bleistiftskizze hingewaschen,

 sind von erstaunlichem Sonnenschein und Staubduft. Die Ausstellung hat viel

Vergnügen gemacht und der kundige Sammler sich dabei auch als Erläuterer Lorbeeren

geholt.

ODERNE RADIERÜNGEN. Im Hagenbund erregte eine ungemein reichhaltige

 Ausstellung moderner Radierungen, meist aus den Beständen der Dresdener

Hofkunsthandlung Arnold, große Aufmerksamkeit und wuchs sich sogar zu einem Verkaufserfolg

 heraus. Obenan stand Whistler mit jetzt teuer bezahlten Blättern aus seiner

sachlich zeichnenden detailreichen Frühzeit (Themsebilder) und auch späteren aus der

venezianischen Ton- und Hauchzeit, bei denen oft jeder einzelne Abdruck ein monotypartiges

 Unikum von Eigenhändigkeit wurde. Wahre Kuriositäten sind das kleine Blatt der

Flottenschau bei dem Jubiläum der Königin, mit fast nichts als Raum, hinter dem ein

Gewimmel von Winzigkeiten stattiindet und dann, als Gegensatz, das „Gewitter", wo die

furiose Nadel förmlich Gewaltstreiche macht. An Whistler schlossen sich sein Schüler

Mortimer Menpes, der ihn wiederholt porträtiert hat, und sein Nachtreter Josef Pennell,

der übrigens als Federzeichner für Architekturen origineller ist. Dann Sir F. Seymour

I-Iaden, Whistlers Schwiegervater, der berühmte Chirurg, dessen Radiermotto war: Kein

Strich zu viel! Eine andere, natürlich schwer koloristische Note schlägt Frank Brangwyn,

der feurige Maler an, wieder eine andere, viel an Dürer, Rembrandt und Goya streifende,

der phantasievolle und doch realistische Alphonse Legros („Totentanw u. a.). Sir Charles

Holroyd, R. Goff, F. Burridge, Alfred East, E. Monk, W. Strang waren gut vertreten.

Mancherlei Persönliches in Anschauungen und Manieren. Welche Kinder sind wir im

Vergleich zu dieser Entwicklung.

KLEINE NACHRICHTEN 5h

IE „HEILIGE FAMILIE" VON BOTTICELLI. Die hier abgebildete

„Heilige Familie" von Sandro Botticelli ward vor einigen Wochen in Christies Auktionsräumen

 an die bekannte Firma von T. Agnew ä Son um 52.500 Kronen verkauft. Das Bild

stammt aus der Sammlung des Grafen Dudley, von welcher es in den Besitz des verstorbenen

Mr. Wickham Flower überging. Obgleich es in keiner Liste der authentischen Werke

des Borentinischen Meisters zu finden ist, hat das Bild gewisse Züge und ist von so
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.