Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 1)

Ausdrucke kam, als hier. Mir ist, als hätte der Meister seine ganze leidensvolle Seele in

diesem Werke ausgesprochen".

Groß ist die Zahl der Werke, die der unsterbliche Meister auf dornenvollem Lebenspfade

 in staunenswerter Arbeitskraft zur Zierde Österreichs geschaEen hat. zu den besten

derselben zählt unstreitig die Pietä in Gurk. Werden sich die heimischen Kunstkreise nicht

endlich daran erinnern, daß sie dem Genius Donners ein Denkmal schulden? E. P.

ST AS IATISCI-IES IN DER SPÄTANTIKEN WEBEREI. Es geht in

der Kunstwissenschaft wie auf allen Gebieten des Wissens, ja des Lebens überhaupt:

man schreitet eine Zeitlang in einer bestimmten Richtung vor und bemerkt oft erst plötzlich,

 daß man die Richtung ändern muß, wenn man überhaupt weiter kommen will.

Vor xo bis 15 Jahren hat man eingesehen, daß die spätantike Kunst doch nicht einen

bloßen Verfall darstellt, hauptsächlich herbeigeführt durch den Niedergang des griechischrömischen

 Weltreiches und die Einfälle der Barbaren, sondern eine tiefbegründete innere

Entwicklung, in vieler Beziehung einen Fortschritt und die Grundlage der späteren vollkommenen

 Erneuerung. Erforscher antiker und christlicher Kunst haben sich dieser Frage

zugewendet und es wäre irrig, in solchem Streben eine bloße Mode erkennen zu wollen.

Dann erkannte man wieder, daß es doch auch äußere Einwirkungen gäbe und man

forschte wieder diesen nach. Aber auch das war keine Mode, sondern ein Erkennen der

Einseitigkeit, in die man notwendiger Weise verfällt, will man Alles in der Welt nur

von einem Standpunkte aus betrachten.

Auch ist deshalb die Arbeit der Vorhergehenden durchaus nicht überllüssig geworden.

Wenn auch manche Einzelheit sich nicht mehr halten läßt: wir sind vorwärts gekommen.

 Und haben wir scheinbar wieder den alten Weg betreten, so ist es doch nicht

der alte, sondern nur eine Wendung nach derselben Seite.

Wir dürfen uns heute wieder mit fremden Einflüssen beschäftigen; aber wir dürfen

nicht vergessen, was die vorhergehende Zeit geleistet hat. Wir haben erstens gelernt, daß

die Anhäufung bloßen Tatsachenmaterials ohne Schaffen geistigen Zusammenhanges

zumeist wertlos ist und, was die besondere Frage anbelangt, daß wir Fremdes nur dann

wirksam erkennen, wenn ihm durch innere Entwicklung die Möglichkeit zum Eindringen

geboten ist.

Allerdings kann der Einfluß des Fremden, der ursprünglich Folge innerer Wandlung

ist, auch wieder Ursache weiterer Änderungen werden, wie ja alles im Leben zugleich

Ursache und Wirkung darstellt.

In meiner „Künstlerischen Entwicklung der Weberei und Stickerei im europäischen

Kulturkreise . . . ." mußte ich naturgemäß mehrfach auf solche wechselseitige Beziehungen

hinweisen; doch hatte ich nur an wenigen Stellen vor der Besprechung des späteren

Mittelalters Gelegenheit, ostasiatische Einflüsse zu erwähnen. Ich muß auf diese wenigen

Stellen hier nun kurz zurückkommen, da sie als beste Einleitung zu dem weiterhin zu

Besprechenden dienen können.

Auf Seite 34 und 36 sagte ich: „Von Ostasien her ist ein Einliuß auf die Formensprache

 des Mittelmeergebietes (im frühesten Mittelalter) . . . wohl nicht oder nur in sehr

beschränktem Maße erfolgt . . . . Immerhin mögen einzelne Motive früh durch ostasiatische

Stoffe nach Vorderasien und in das Mittelmeergebiet gelangt sein . . ." Ich meinte aber,

daß in jener Zeit eher Ostasien durch das Mittelmeergebiet beeinflußt wäre als dieses

durch jenes und führte einen (hier auf Seite 85 teilweise abgebildeten) Stoff aus dem

Schatzhause zu Nara an, auf den ich vor mehr als zwei Jahren zuerst durch Direktor

Terme in Lyon aufmerksam gemacht worden war. Da ich eine Entwicklung der

europäischen Weberei schrieb, war es für mich an jener Stelle natürlich nicht nötig,

mich auf die Frage der Datierung der ostasiatischen Stoffe besonders einzulassen,

es genügte der I-Iinweis auf Deshayes und Strzygowski. Denn wäre selbst ihre Annahme

unrichtig, so würde sich für die europäische Kunst dadurch nicht das Geringste ändern; es
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.