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MAK

Full text : Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 4)

bildnis des weiland Grafen Gisbert Wolf Metternich, der den Plan seiner Majoratsherrschaft

 einsieht; der Künstler hat seit zwei Jahren eine neue Meisterschaft erreicht. Laszlo

ist heuer weniger glücklich; er hat offenbar zu viel zu tun. Am besten sein mit kursiver

Eleganz hingezirkeltes Brustbildnis der jungen Komtesse Larisch, dann etwa noch sein

Graf Mensdox-E-Pouilly, von vornehmer Wirkung im Schwarz-Weiß der Abendtoilette.

etwas zu matsch im Ausdruck der Kopf des Baurates Streit. Einige Damenbilder von

Angeli gehören, für jetzige Augen, schon einem früheren Planeten an. Das elegante

Damenporträt in ganzer Figur hat in Adams, Schattenstein, Joanowits, Stauffer,

Rauchinger, Lebiedzki (Hofrätin Ferstel), Bukovac (Frau von Berks) und anderen gute

Kräfte. Von Herrenbildnissen ragen noch hervor: Professor l-Iochenegg im weißen

Operationskittel von Gsur, Pochwalskis Rektor der Krakauer Universität im Ornat, Uhls

Primarius Lehotzky im Frack und Baron Förster, Marie Müllers Stehiigur des Grafen

Dubsky, Egger-Lieni Brustbild des Bildhauers Costenoble. Von Wilda sei ein elegantes

Kinderporträt angereiht. An modernen Regungen fehlt es nicht, natürlich bei den ]üngeren,

doch ist die Mehrzahl konservativ genug. Ein derb hingesetztes Bild im Charaktergenre

ist Temples Porträt des alten Schönthaler, schneeweiß von Haar und Augenbrauen,

schwarzes Käppchen auf dem Kopf, ein Buschen Blumen auf dem Tisch. Waldmüllerscher

Nachklang. Auch in der großen und kleinen Porträtplastik ist es lebendig genug. Marrnorbüsten

 von eindringlichem Realismus sind die der beiden Vizebürgermeister, Strobach

(von Zinsler) und Dr. Neumayer (von Leisek), eine Rathauskysche (Dr. Dümberger)

schließt sich an. Stephan Schwartz, der auch mit einigen Figürchen großen Erfolg hat,

bringt Serien treiflicher Porträtreliefs (Baronin Lemayer und andere), Pawlik und l-Iujer

streben ihm rüstig nach und Th. Charlemont reliefiert in Marmor gleich ein Ensemble von

sechs Personen, seine ganze Familie. Große Plastik sehr lobenswert, zunächst von Wollek

die jugendlich liebenswürdige Gruppe von „Tamino und Pamina" für den Mozart-Brunnen,

die für ihn ein großes Avancement bildet. Auch seine Stilisierungen in Büste und Porträtmedaillon

 gehen nicht umsonst auf aparten Reiz aus. Dann Edmund von Hofmanns lebensgroßes

 Marmorkruziiix für Hietzing (Grabkapelle Baurat Reichardt), samt der Rückplatte

ein massives Stück von 7ooo Kilogramm. Voll schönen Ernstes in Ausdruck und

Anatomie. Aus dem plastischen Nachwuchs taucht diesmal der Hellmer-Schüler

Cummaur hervor, dessen große Gipsiiguren Phantasie und Fleisch haben.

DasWienerGenre belebt sich durch dasWachstum derjüngerenKräfte. Schattensteins

große Szene: „Habemus paparn!" aus der Peterskirche ist voll Volksstudium, aber auch sehr

wahr in der dumpfigen, schwülen Atmosphärik einer übervollen Kirche. Egger-Lienz'

„Heilige Nacht", tief und stark gegriffen, dann Tomed „Sanctus", ein brillant in Technik

gesetztes Kircheninneres, treten in den Vordergrund. Mencina-Krzesz wird in einer Kreuzesvision

 des Christkindes nicht recht malerisch. Kinzel nennt eine Schneiderwerkstatt im aufgelassenen

 Kremser Dominikanerkloster „Bange Stunden"; er ist in dieser Arbeit sehr

gewachsen. Desgleichen Larwin in einer triefnassen Kärntnerstraße bei brillanter Abendbeleuchtung.

 Isidor Kaufmann, Merode, Zewy, Koch, I-Ießl stellen sich gut mit uns; von

den Landschaftern Schaeffer, Geller, Slavicek, A. Kaufmann, Brunner, Darnaut, Zetsche,

der gewandte Zeichner j. Sturm, auch Zoif, Kruis, Quittner, der in Paris in aller Eile viel

profitiert hat. Auch die architektonischen Zeichnungen des Barons Krauß wecken Interesse.

Recht ansehnlich tritt das Ausland auf. Eine Reihe großer und kleinerer Szenen von

Sascha Schneider, in seiner eigentümlich theoretischen und „statistischen" Weise (wegen

der statistenartig verwendeten Figuren) allegorisierend, erregen viel Aufmerksamkeit. Er

mischt sich so eigentümlich aus modernistisch und archaistisch, daß er fast neu aussieht.

Eigentlich sind seine Figuren meist langbärtige Assyrer. Gewisse Szenen, wie die vorjährige

 Schlacht-Predella mit nackten Kämpfern, blauen Stahlwaffen und blutroten Wunden

erinnern an die Wandbilder in den etruskischen Sälen des Vatikans. Jetzt wieder ist seine

große „Nibelungenschlachw ganz heraldisch steif in ihren wappengeschmückten Harnischüguren,

 die mit zeremonieller Leidenschaftlosigkeit aufeinander loshauen. Aber er ist alles
            
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