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MAK

Full text : Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 4)

verborgen und unbemerkt, denn es

kommt nie zum Durchbruch. Dieser

Umstand verdiente von den Vorständen

der Kunstschulen erwogen zu werden.

Eine der schönsten und anmutigsten

 von Watts Kompositionen ist die

„Hoffnungß eine weibliche Gestalt,

die mit verbundenen Augen auf einem

Globus sitzt und eine Lyra in der Hand

hält, auf der alle Saiten gesprungen

sind, außer einer einzigen. Die Haltung

der Gestalt ist entzückend, die Farbengebung

 zart und lieblich und die Goldfarbe

 des Haares samt den gelblichen

Lichteffekten im Globus heben sich

prächtig von den dunstigblauen Tönen

des Bildes ab. In seiner einfachen Harmonie

 weicht dieses Bild von den

anderen ab; denn diese sind viel verschwenderischer

 in allerlei Farben getaucht.

 Koloristisch bietet Watts hier

das beste. Reiches Indigoblau, Venezianerrot,

 Van Dyck-Braun und Gelbocker

 strömt ausgiebig aus seinem Pinsel.

 Andere Bilder wieder, wie „Liebe

und Leben" schwimmen in durchsichtigen,

 exquisiten Halbtönen.

Watts war ein eminent dekorativer

 Künstler mit dem Instinkt eines

Architekten. Die Bilder erscheinen seinem

 geigtigen Auge in riesigem Um- George Frederick Watts. Liebe und Tod

fang; erst später trat die Notwendigkeit

 ein, sie auf zweckdienliche Proportionen zurückzuführen, und da sehen

wir, wie ihn seine Einbildungskraft über die gegebenen Grenzen hinaus trieb.

Der Fehler mancher seiner symbolischen Bilder ist Mangel an Proportion,

man hat die Empfindung, als hätte eine begeistert schaffende Erfindungsgabe

über die kühle Logik den Sieg davon getragen. Wie sollte man sonst die

Mißverhältnisse in manchen seiner Bilder erklären, ebenso die entstellten und

grotesken Glieder mancher Kupidos und Engelein? Seine Produktionskraft

war enorm. Das längste Leben war für ihn zu kurz, um darin dem in ihm

schlummernden gebieterischen Schaffenstrieb zu genügen. Schaffen und

Leben waren für ihn gleichbedeutend und die Natur belohnte ihn damit, daß

sie ihm eine Lebenskraft verlieh, die weit über das gewöhnliche Maß hinaus

reichte. Mit 87 Jahren, einige Monate vor seinem Tode, vollendete er das

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