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MAK

Full text : Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 4)

in allem ein Individuum für sich und intriguiert das Publikum. Vorn alten Gebhardt sieht

man eine äußerst gemütliche Bergpredigt; jetziges Publikum in heimatlicher Landschaft.

Die Porträte von V. Schmurr und dem Engländer Mostyn sind reizvoll. Eine Anzahl Karlsruher

 Phantastik hält nicht Stich. Grohs Kleopatra, derb koloristisch, hat Saalwirkung.

Wielandts Landschaften böcklinisieren; dasselbe tun mit etwas modernerer Wendung die

von Fanny v. Geiger-Weishaupt. Es ist ein Mancherlei und Vielerlei, das jedermanns

Geschmack trifft.

EZESSION. Die Frühjahrsausstellung der Sezession ist durchaus von einheimischen

Kräften besorgt; der einzige Gast ist Walter Leistikow, mit einigen Landschaüen

seines Stils, die je naturnäher, desto lebendiger ausfallen. Die sehr behagliche Einrichtung

der Räume ist von Josef Plecnik. Die I-Iauptsalons haben etwas Wohnliches, zu Geselligkeit

 Einladendes. Da lassen sich auch Dinge ungezwungen unterbringen; so die erwähnten

drei letzten Bilder Rudolf Alts, die mit Lorbeer geschmückt sind. Ein Kabinett, auf das der

Mittelgang zuführt, ist den neuen Bauten Otto Wagners eingeräumt. Die Zeichnungen an

den Wänden betreffen unter anderem das Kaiser Franz ]oseph-Stadtmuseum, das in ganz

emeuerter Form nunmehr Verwirklichung finden soll. Eine der beiden überbrückten Durchfahrtstraßen

 ist aufgelassen. Die dem Karlsplatz zugekehrte Langseite ist ganz still gehalten,

ohne Säulenstellungen, die mit denen der Kirche konkurrieren würden, ohne ragende Dachaufsätze.

 Selbst die Portale sind deshalb an die Schmalseiten verlegt, das gegen den

Empfangspavillon hin liegt in einem Ehrenhof, der nun monumental durchgestaltet ist.

Das große Novum des Kabinetts ist die Kirche für die niederösterreichischen Landesheilund

 Piiegeanstalten, deren 63 Bauten am sogenannten Baumgartner Spiegel in reizvollem,

m0 Hektar umfassendem Gelände verteilt werden sollen. Auf dem höchsten Punkte wird die

Kirche stehen, deren reich vergoldete Kuppel im Stadtbilde Neu- und Großwiens als weithin

blitzender Goldpunkt zur Geltung gelangen wird. Die Kirche, bis zur Kreuzspitze 46 Meter

hoch, mit einem Sitzraum für 800 Personen, ist typisch für Otto Wagners Ideen von

einer modernen, der Seele und dem Leib genügenden Kirche. Die Baukasten sind auf

550.000 Kronen veranschlagt, obwohl durchweg das beste Material verwendet ist. Die Anlage

 ist sehr übersichtlich. Ein Viereck mit ganz kurzem Querschiff und stark überhöhter

Kuppel, deren Calotte Halbkugelform hat. Ein modernes Säulenportal und zwei kurze Türme,

mit Statuen der Landesheiligen Leopold und Severinus, zeichnen die Fassade aus. Die

äußere Bekleidung bilden 2 Centimeter dicke weiße Marmorplatten, durch Riemenschichten

gehalten, die durch Kupferknöpfe befestigt sind. Kuppel und Tarnbour sind mit gefalzt angebrachten,

 also beweglich bleibenden Kupferplatten bekleidet. Eine Unterkirche hält den

Bau trocken und nimmt die entsprechenden liturgischen, technischen und sanitären Einrichtungen

 auf. Der Innenraum ist 20 Meter hoch und durch eine leichte moderne Konstruktion

 abgedeckt, die auf vier Eckpfeilerpaaren ruht. Die Kuppel öffnet sich nicht nach

innen, was seine akustischen Vorteile hat. Auch für Licht ist reichlich gesorgt. Der Chorabschluß

 hat übrigens keine Fenster, weil diese immer das Publikum blenden. Der bildliche

 Flächenschmuck, von Kolo Moser entworfen, besteht aus allegorischen Szenen in

neuartiger Mosaik aus Marmor- und Tonplatten, in verschiedenen Farben und mit Glas

und Bronze inkrustiert. Das Lünettenbild über dem Portal schlägt diesen Ton nach außen

an. Das I-Iochaltarbild ist nicht weniger als 75 Quadratmeter groß. Das ganze Werk ist

reiflich durchdacht und ein Markstein in unserer baulichen Entwicklung. Das ausgestellte

plastische Modell, an sich schon ein kunstgewerbliches Schaustück, beschäftigt das Publikum

 angelegentlich.

Moderne Bestrebungen von Kraft und Erfolg sieht man auch in Plastik und Malerei.

Metzners große Savonniere-Figur: „Das Weib", ein kauemder Akt von tiefstem Verständnis

der Form, läßt durch die diesmal sehr geglückte Stilisierung wirklich den Sinn der Form

hervortreten. Ein großer Fortschritt seit der vorjährigen „Erde" des Künstlers. Auch das

Grabdenkmal von Schimkowitz ist ein Stein in diesem Brette. Ein Prisma aus Untersberger
            
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