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MAK

Full text : Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 4)

außerordentliche Geschmacksreize an den Delikatessen der abgetönten Farbenharmonie

und der ornamentalen Kalligraphie dieser Artisten.

Besonders gut vertreten waren die Künstler der Frau, Harunobu mit seinen graziösen

biegsamen Gestalten auf den Veranden der Holzhäuser, an den Flußufern, auf dem Hintergrunde

 von Bäumen und Blumenzweigen, gegen die quadratisch verkreuzten Fensterf-lächen

gestellt und vor schmalen in das Bild schräg wie eine Schmuckleiste hineingeschobenen

Bambusbänken; ferner Koriusai, der mit leichter sicherer Hand in den schmalen Rahmen

der Pfostenbilder seine Gestalten ungezwungen einzuschreiben weiß und die langgestreckte

Höhe anmutig gliedert und bewegt, oben durch hereinreichende Blütenzweige, unten

durch ein geschmeidiges Kätzchen, das durch die iiatternden Gewandfalten huscht;

schließlich Kiyonaga, der Meister der Gruppen und der bewegten Körper und Utamaro,

der raffinierteste und nuancenreichste Künstler der Madame Chrysantheme.

Ausgiebig konnte man auch jene andere Gruppe studieren, die des Schauspielerporträts.

Schunscho und Scharaku sind seine Meister und der letztere wirkt frappant durch die

mächtige Modellierung seiner Farbeniiächen, durch die dämonisch groteske Wucht, mit

der er die weißen starren Masken seiner Mimen, kreidig mit blutrotem Mundstrich, aus dem

düsteren Schwarz des I-Iintergrundes auftauchen läßt.

Charme der Kleinkunst genießt man in den zahlreichen Surinomos, den quadratischen

Glückwunschkarten, die allerlei „Kunstformen der Natur", Insekten, Vögel, Blumen,

Muscheln, Fische zu anmutigem Vignettenwerk bilden und beim Arrangement solcher

„bunten Beute" auf schmalem Papierrand die gleiche heitere selbstverständliche Sicherheit

 zeigen wie beim Ordnen der Zweige in einer Vase. Vor solchen Blättern wird einmal

wieder klar, was Kopenhagen dem Osten verdankt.

Diese Ausstellung gab eine willkommene Ergänzung zu jener Schau, die im Schlüter-Zimmer

 des Kunstgewerbemuseums stattfand und die den erlesenen japanischen Kunstschatz

 eines Berliner Sammlers, des Herrn Gustav Jacoby, der Öffentlichkeit zugänglich

machte. Nicht nur durch das, was sie zeigte, sondern auch durch ihren Rahmen überrascht

diese Ausstellung. Im Sinne jener Kunst war er gewählt, eine graziöse Raum-Metamorphose

 wurde geschaffen. Der Saal bekam eine niedrigere Decke, hell bespannt mit grünem

Leistenwerk. Die Wände bedeckte in Panneelhöhe mattgrüne Stoffverkleidung, darüber

zog sich die Wandfiäche lichtgrau. Am Fußboden eine olivgrüne Matte, das gab stimmenden

 l-Iinter- und Untergrund für die Farbensymphonien der Objets d'art in den Vitrinen.

Nicht zu vergessen sind auch die rings aufgestellten Vasen und Schalen mit Zweigen,

Halmen, Blütenbüschen, die dieser Ausstellung eine seltene und reine Interieurstimmung

verliehen.

Hier sah man nun Elite japanischer Kunstfertigkeit. Alle Gebiete nur durch Werke

ersten Ranges aus den edelsten Perioden vertreten. Lackarbeiten von hoher Vollendung,

Schwertzieraten von unerschöpflicher Erfindung in Zeichnung und Durchbruch und

höchstem Rafiinement der Technik des Schnittes, der Fassettierung, der Ätzung. Das Kleingerät,

 Inros und Netzkes, aus Elfenbein geschnitzt und Holz; die Keramik in ihren einfachen,

 den Grili" der Hand zeigenden Formen mit den nuancenreichen matten Tönen,

grau und gelbkörnig, oft metallisch schimmemd, umspannen von dem Netz haarfeiner

Craqueles und pikant pointiert durch die unregelmäßig verästeten Linien des Goldkittes.

Eine Revue moderner französischer Plastik fand in Hirschwalds Hohenzollern-Kunstgewerbehaus

 statt. In „Cire perdu"-Güßen aus der Kunstgießerei von A. l-Iebrard in Paris

sah man eine auserlesene Reihe von skulpruralen Werken. Ihr Hauptstück war der

„Penseur" Rodins in der schweren Gedankenwucht seiner Haltung. Sehr fesselnd schien

die impressionistische Tierplastik von Rembrandt-Bugatti. Seine Löwen, seine ägyptischen

Wölfe, die Pelikane, die Windhunde sind mit einem vehementen Griff voll zuckendem

Leben gefaßt und in die Form gebannt.

Von starker monumentaler Charakteristik sind ein paar Kämpfermasken von Bourdette

 und Falguiere.
            
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